Lehrerarbeitszeit in Baden-Württemberg

Ins Netz gestellt von Dietrich Tilp, Winnenden   Stand 27.06.2004

Gehaltskürzungen auf Heller und Cent | Lehrerarbeitszeit und -belastung | Amtliche Quellen | Kleine Presseschau | Wie's andere sehen

Vorwort 06.2004:
Diese Seite ist die Folge der Ereignisse von 2002/2003 in BW, als Ministerpräsident Erwin Teufel den Anschein erweckte, nicht zu wissen, was der Lehrerberuf arbeitstechnisch bedeutet. In der Folge trat (auch mit seiner tatkräftigen Hilfe) das mangelde Ansehen der Lehrer deutlich zu Tage.
Diese Seite versucht weg zu kommen von der leidigen Stammtischmentalität, in der alle über das vollmundig urteilen, zu dem ihnen eigentlich das nötige Wissen fehlt.
Mittlerweile ist die prekäre finanzielle Situation der öffentlichen Hand Allgemeingut geworden. Das ändert an den Inhalten und Aussagen dieser Seite kein Jota.

Vorwort 05.2003:
Die Tatsache, dass einerseits das Lehrerbild in einer breiten Öffentlichkeit von Vorurteilen und Unkenntnis geprägt ist und andererseits die Lehrer offenbar wenig Möglichkeiten haben, sich geziemend gegen die öffentliche Demontage ihres Sozialprestiges zur Wehr zu setzen und überdies resignierend zur Selbstausbeutung neigen, hat mich dazu bewogen, die folgenden Texte zusammenzutragen und zu veröffentlichen.
Auslöser waren ursprünglich die polemischen Äußerungen mancher Politiker und Journalisten zur Problematik der Arbeitszeit und der Gehaltskürzungen bei Lehrern an Gymnasien. Dieser Historie folgt vorliegender Text.
Mittlerweile hat das ganze eine neue Eigendynamik bekommen, einerseits durch die leeren Kassen der öffentlichen Hand und andererseits durch die amtlichen Versuche der Neuregelung der Lehrerarbeitszeit. Was wir Lehrer schon immer wussten und manchen Poltikern wohl noch immer nicht klar ist, wird nun zwangsläufig offenkundig: als Beamte kommen wir das Land billiger als in jeder anderen Anstellungsform.

In diesen Texten sind alle Zitate und fremde Quellen grün dargestellt und weitgehend durch Verlinkung zur Fundstelle überprüfbar. Abschätzungen der Arbeitszeitproblematik und der finanziellen Situation sind so dargestellt, dass der Rechenweg jeweils nachvollziehbar ist. Im Sinne einer Versachlichung der Diskussion bin ich an Hinweisen, Ergänzungen, Stellungnahmen, Richtigstellungen und Gegendarstellungen (auch vertraulich) sehr interessiert.


Herr Teufel, wir folgen Ihrem Rat!

In seinem offenen Brief vom 11.04.03 an die Beamten in Baden-Württemberg stellt Ministerpräsident Erwin Teufel dar, warum er den Landesbeamten im Wege von Arbeitszeitverlängerung und Zuwendungskürzung umgerechnet über 4,6% Gehaltskürzungen zumuten möchte.

Dabei verschweigt er allerdings, warum gerade und ausschließlich die Gymnasiallehrer und Berufsschullehrer umgerechnet sogar mit über 6,1% Gehaltskürzungen (d.h. max. 2.964,34 € p.a. bei einem Studienrat) belastet werden sollen.

6,1% Gehaltskürzungen

Unter diesen Umständen wirkt die am 06.05.03 durch die Baden-Württembergischen Landtagsabgeordneten für sich selbst beschlossene Diätenerhöhung um 2,4% besonders bitter, wird sie doch von so logischen Argumenten begleitet, wie ... in Anbetracht der nachgewiesenen Kostensteigerungen mehr als gerechtfertigt ... oder ... "Mit Blick auf die allgemeine Einkommens- und Preisentwicklung sowie auf die jüngsten Tarifabschlüsse ist die vorgesehene Anpassung der Diäten äußerst moderat." ...

Durch Teufels Maßnahmen entsteht (nicht zum ersten Mal) der Eindruck, dass die Lehrer des höheren Dienstes in BW Beamte zweiter Klasse sein könnten.

Dabei machen wir Lehrerinnen und Lehrer geltend, wir seien jetzt schon überlastet, was in der Vergangenheit mehrfach in unabhängigen Arbeitszeituntersuchungen/Arbeitsplatzrisikountersuchungen belegt worden war (aktuell z.B. J. Bauer, Freiburg; U. Schaarschmidt, Potsdam; B. Lindemeier, Stuttgart) und was z.B. jetzt aktuell vom Vorsitzenden des Landesschülerbeirats, Dino Maiwaldt, in einem Interview mit Frank Krause, StN vom 11.04.03, lapidar umschrieben wird: "... Ich weiß, dass Lehrer sehr viel arbeiten. Alle, die außerhalb einer Schule stehen, können das nicht beurteilen. ..."
Der Vorsitzende der CDU-nahen Schüler-Union, Nikolaus Löbel, meint in einem Bericht von Torsten Scholl, StN vom 14.04.03:
"...Man kann nicht von den ohnehin schon stark überlasteten Gymnasiallehrern verlangen, längere Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen, und ihnen auf der anderen Seite das Weihnachts- und Urlaubsgeld kürzen...".

Wie die Belastung aussieht, ist u.a. in den aktuellen PhV-BW-Presseberichten (Philologenverband BW) ausführlich dargelegt. Außerdem haben wir Lehrerinnen und Lehrer in den vergangenen Jahren bereits mehrfach schmerzliche Einbußen und Benachteiligungen hinnehmen müssen, wie z.B. im GEW-Papier "Jetzt reicht's" aufgelistet ist.

Übrigens sind wir nach der geplanten Deputatserhöhung in punkto Lehrerarbeitszeit wieder beim Stand von 1924 angekommen; damals aber betrug die allgemeine Arbeitszeit 48 Wochenstunden. Welch ein Fortschritt!

Geringschätzung unserer Arbeit

Die Waiblinger und Schorndorfer Berufsschullehrer bringen es in einem Brief an Erwin Teufel auf den Punkt: "... Die jetzt geplante Arbeitszeitverlängerung von 24 auf 25 Stunden, die Streichung des Urlaubsgeldes und die Kürzung des Weihnachtsgeldes "übersteigen nicht nur unsere Belastbarkeit und Akzeptanz, sondern bringen überdies Geringschätzung unserer Arbeit zum Ausdruck. ..."

Zum Trost gibt Herr Teufel in seinem Brief den Lehrern einen Ratschlag, wie sie der neuerlichen zusätzlichen Belastung entgehen könnten.

Dies wollen wir, die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer, in landesweit einmaliger Einmütigkeit folgsam umsetzen, allerdings auf dem durch den Landesrechnungshof in seiner Denkschrift "Nutzung der Lehrerressourcen an Gymnasien" vom 09.04.2002 gewiesenen Weg, indem wir uns auf unser Kerngeschäft besinnen und "...auf bestimmte außerunterrichtliche Aufgaben wegen der geringeren für sie zur Verfügung stehenden Zeit (z. T.) verzichten werden...".

Besinnung auf das Kerngeschäft

Wenn wir unsere Gesundheit erhalten wollen ( "Schwerstarbeit im Klassenzimmer"; StZ vom 20.05.03; Vernachlässigte Kinder machen Lehrer krank; StN vom 20.05.03), haben wir keine andere Möglichkeit der Vorsorge, wirft man uns doch jetzt schon vor, dass viele von uns zu früh aus gesundheitlichen Gründen "in Rente gehen". Dabei aber übersieht man geflissentlich, dass in der Mehrheit der deutschen Firmen (nicht nur in vergleichbaren Beschäftigungsgruppen) üblicherweise keiner das 60. Lebensjahr auf der Lohn- und Gehaltsliste erreicht, wie im Spiegel kürzlich berichtet wurde. Lehrer aber schon! Die gehen zur Zeit statistisch gesehen deutlich später in Rente, als andere vergleichbare Beschäftigte.
Wir wollen dafür sorgen, dass dies so bleiben kann, denn wir brauchen viel zusätzliche Kraft, um die laufenden und anstehenden Reformen umsetzen zu können:

Wir brauchen derzeit viel Einarbeitungszeit für neue Methoden und neue Strukturen in der seit diesem Schuljahr neu reformierten gymnasialen Oberstufe.

Wir brauchen zukünftig besonders viel zusätzliche Zeit und Einsatzbereitschaft für das ab dem Schuljahr 2004/05 startende allgemeine achtjährige Gymnasium G8neu (nicht zu verwechsln mit dem derzeit an einigen Gymnasien als Ergänzung angebotene und anders organisierte G8alt). Wenn das allgemeine G8-Gymnasium kommt, kommen auch 36-Std-Wochen für alle Schüler spätestens ab Kl. 7. Das bedeutet mehr als doppelt so viel Nachmittagsunterricht für Schüler und Lehrer. Das bedeutet Ganztagesschulzustände, obwohl das Ministerium dies ausdrücklich verneint, im gleichen Atemzug aber von bis zu drei Nachmittagen pro Klasse spricht (die man weitgehend vemeiden könne, wenn man wieder Samstagsunterricht einführte!!).

Dies alles, ohne dass unsere Schulbauten räumlich und infrastrukturell dafür vorbereitet wären. Die Schüler haben z.B. i.d.R. keine (Mittagspausen-)Ruheräume/Spielräume etc. und die Lehrer keine richtigen Arbeitsplätze im Lehrerzimmer (was sie zwangsweise zu Hausarbeitern macht!), dafür die Gewissheit vermehrter Aufsichtsstunden.

Zeit für Reformen und neue Methoden

Bekanntlich schafft das Kultusministerium derzeit für das neue G8-Gymnasium (verbindlich für alle 370 allgemeinbildenden Gymnasien im Land ab 2004/05) die herkömmlichen Bildungspläne ab (für jede Klassenstufe und jedes Profil einen). Diese sollen durch sogenannte Bildungsstandards ersetzt werden, welche 2/3 eines Jahres abdecken. Für "das dritte Drittel" sollen die Schulen eigene Vorstellungen entwickeln, z.B. zur Stärkung des schuleigenen Profils.

Da die Vorgaben des Kultusministeriums extrem spärlich sind, müssen nun an allen 370 Gymnasien Arbeitsgruppen gebildet werden, damit im kommenden Schuljahr (dem letzten vor dem Start von G8neu) an den Schulen Differenzpläne (was fehlt im neuen Bildungsplan gegenüber dem alten) erstellt werden können und dann "das dritte Drittel" so ausgefüllt werden kann, dass schließlich alle Kinder trotz der schulischen Profilierung in dieser mobilen Zeit nach wie vor z.B. mit ihren Eltern umziehen können.

Also wird es an den Gymnasien im Land 370 Arbeitsgruppen für Mathematik geben, 370 für Deutsch, 370 für Englisch, usw.! Dieser riesige Zeitbedarf kostet das Land nichts zusätzlich; die Lehrer hat man sowieso!

Insgesamt stellt dies eine unverhältnismäßig hohe Belastung dar. Die Umsetzung von G8neu müsste unter diesen Gesichtspunkten dringend um ein bis zwei Jahre verschoben werden, um eine "solide" Umsetzung zu erreichen.

Um nicht mißverstanden zu werden, Reformen sind nötig, will man Fortschritt haben. Insbesondere nach PISA glaubt das jeder. In den letzten Jahren jedoch musste jede Reform zum Nulltarif, d.h. kostenneutral, umgesetzt werden. Aber nun wollen wir nicht auch noch draufzahlen und Gefahr laufen, in zu kurzer Zeit bei zu hoher Belastung schlechte Arbeit abliefern zu müssen.


Geht´s hier wirklich nur um 45 Minuten pro Woche, Herr Teufel?

Im Folgenden wird daher zunächst dargelegt, was die Besoldungskürzung unter dem Strich bedeutet. Dann wird versucht, die Lehrerarbeitszeit aus Sicht der Betroffenen hochzurechnen. Angesichts der Tatsache, dass in der Presse eine zusätzliche Deputatsstunde als "...kleine Belastung..." (Frank Krause, StN) tituliert und die Lehrer als "...Jammerer wegen einer Stunde (!) Mehrarbeit pro Woche..." (Susanne Offenbach, Sonntag aktuell; das Rufzeichen ist wesentlich) gesehen werden und Erwin Teufel diese Sichtweise noch topt, indem er erklärt, ... er habe kein Verständnis dafür, dass sich Lehrer "wegen 45 Minuten pro Woche bockig stellen" ... (StN vom 28.5.03; vermutlich angesichts des Schülerstreiks in Ravensburg), muss eine gewisse "Erbsenzählerei" zur Aufklärung des Sachverhalts erlaubt sein (zumal da hierzulande Serviceleistungen oft sogar im 5-Minutenraster abgerechnet werden müssen).

Im Anhang sind dann amtliche Quellen auszugsweise ausgedruckt und jeweils Links zur Original-Fundstelle angegeben. Danach folgt eine Linkliste einiger Presseartikel, wobei wir uns auf die Stuttgarter Nachrichten und die Stuttgarter Zeitung beschränkt haben. Einige der Artikel sind anschließend direkt aufgeführt.

Zuletzt folgen in der Rubrik "Wie's andere sehen" einige Links zu bemerkenswerten Seiten außerhalb von BW. Dort sind u.a. Informationen über das Hamburger Lehrerarbeitszeitmodell (veröffentlicht am 17.02.2003) verlinkt.
... Laut Kultusministerium gibt es keine Studie zur tatsächlichen Arbeitszeit der Lehrer. ... (StN vom 27.06.2003). Daher sind zum Schluss einige weitere Lehrerarbeitszeitstudien aufgelistet.

Gehaltskürzungen auf "Heller und Cent"

Studienrat (Besoldungsgruppe A13 Endstufe)

Alt
 Monatsgrundgehalt 3.753,25 €
 Sonderzuwendung ("13. Monatsgehalt") 86,31% eines Monatsgrundgehalts
 Urlaubsgeld 255,65 €
 Jahresgehalt 12,8631 x 3753,25 + 255,65 = 48.534,08 €
Neu
 Monatsgrundgehalt 3.753,25 €
 Sonderzuwendung (gekürzt um 25%) 64,73% eines Monatsgrundgehalts
 Urlaubsgeld (gestrichen) 0,00 €
 Jahresgehalt 12,6473 x 3.753,25 + 0,00 = 47.468,48 €
Das entspricht einer Reduzierung von knapp 2,2%
Zusätzliche Kürzung um 1/25,
wenn die Zusatzbelastung durch Deputatsreduzierung auf 24/25
aufgefangen werden soll:
12,6473 x 3.753,25 x 24/25 + 0,00 = 45.569,74 €

Das entspricht einer Reduzierung um 6,1% oder 2.964,34 €.

Beamteter Nichtlehrer (A13):

Alt
 Jahresgehalt (wie oben) = 48.534,08 €
Neu
 bei angenommener Reduzierung der Mehrbelastung auf 40/41
 12,6473 x 3.753,25 x 40/41 + 0,00 = 46.310,71 €, das entspricht 4,58%

Hier schlägt sich nieder, dass die pauschale Erhöhung der Wochenarbeitszeit der Beamten um eine Zeitstunde bei Lehrern eben nicht nur einer Deputatsstunde entspricht, sondern schon formal doppelt so hoch gewertet werden muss.

Lehrerarbeitszeit und -belastung

Unterrichtsstunde versus Vollstunde

Zugrunde liegt die 5-Tage-Woche, eine Wochenarbeitszeit von 40 Vollstunden, bzw. 24 Unterrichtsstunden eines vollbeschäftigten Gymnasiallehrers.

  • Unterrichtsstunden dauern 45 Minuten. Der dabei "wechselnde Schreibtisch", das Bereitstellen von Unterrichtsmaterial in Springstunden (besserer Begriff für Hohlstunden), Vertretungsstunden, "Pausen" zum Klassenwechsel und kleinere organisatorische Tätigkeiten füllen locker auf Vollstunden auf.

  • Wenn 24 UVollStd. (eines Lehrers) etwa 40 echten VollStd. (eines beamteten Nichtlehrers) entsprechen, dann darf eine UStd. höchstens zu 40 Minuten Vor- und Nachbereitungszeit führen (ohne Berücksichtigung von Klassenarbeiten, Besprechungen/Konferenzen, Studienfahrten usw.;
    24 x 40/60 = 16;   24 + 16 = 40).

Jährliche Unterrichtsverpflichtung:

Im Schuljahr 2002/03 liegen

    181 Unterrichtstage (= 36 Wochen 1 Tag = 869 UStd. einer 24-UStd-Woche
                         = 1448 Arbeitstunden einer 40-Std-Woche),
     66 Ferientage (= 13 Wochen 1 Tag),
    104 Wochenendtage (Sa+So) und
     13 Feiertage. Das sind zusammen
    364 Tage.

Beamtete Nichtlehrer mit 30 Urlaubstagen kommen vergleichsweise auf
365 - 30 - 104 - 13 = 218 Arbeitstage (x 8 Std. = 1744 Arbeitsstunden; ein "Mannjahr" entspricht folglich ca. 1750 Arbeitsstunden)

Nicht direkt messbarer zusätzlicher Zeitbedarf:

  • Klassenkonferenzen, Gesamtlehrerkonferenzen, Zeugniskonferenzen, Zeugnisarbeiten, Elterngespräche, Elternabende, Koordinierungsgespräche (Grundschul-Kooperation, Neue Lehrpläne (achtjähriges Gymnasium), ...)... .
  • Schullandheimaufenthalte, Studienfahrten, Exkursionen, Lerngänge, Theaterbesuche, ... .
  • Schulfeste, Schülerfeste, ... .

Abschätzbarer zusätzlicher Zeitbedarf:

Korrekturen: voller Lehrauftrag am Gymnasium (Klassenarbeitserstellung s.u.):

   = 24 WoStd
   = 6 Lehraufträge à 4 WoStd (z.B. 3 Deutsch-Kl. + 3 Englisch-Kl.)
   = 150 Schüler (bei durchschnittlich 25 Schülern pro Klasse; Schülerzahl i.d.R. aber oft größer!)
   = 900 Klassenarbeiten (bei 6 Klassenarbeiten pro Klasse;
     in NRW geht man offiziell sogar von 1000 Klassenarbeiten aus)
   = 220 Korrekturstunden (bei 1/4 Std. pro Schüler;
     in Hamburg rechnet man bereits pro Kl.-8-Mahtematik-Korrektur mit 10 Minuten)
   = 5 1/2 volle Arbeitswochen (à 40 Wochenstunden)

Erstellung von 6 Klassenarbeiten für jede der 6 Klassen

   = 36 Klassenarbeiten
   = 60 Std (bei 1 2/3 Std. pro Klassenarbeit für Ausarbeitung und
        Musterlösung samt Erwartungshorizont)
   = 1 1/2 volle Arbeitswochen (à 40 Wochenstunden)

Fazit

Rechnet man nur den regulären Korrekturaufwand von 7 Arbeitswochen (5 1/2 + 1 1/2 Wochen) von den 13 Ferienwochen ab (Abfeiern von Überstunden), bleiben nur noch 6 Ferienwochen übrig, was 30 herkömmlichen Arbeitstagen entspricht.

Alle Ferien außer den Sommerferien werden also rein rechnerisch für die regulären Korrekturen beansprucht.

Dabei ist der singuläre Aufwand für Abiturkorrekturen, "zentrale Klassenarbeiten" und sonstige Aufnahmeprüfungen nicht berücksichtigt. Nimmt man für die singulären Aufgabenerstellungen und den singulären Korrekturaufwand und die nicht direkt messbaren Beanspruchungen (s.o.) nur eine einzige weitere Arbeitswoche an, dann reduziert sich die reale Urlaubstagezahl für Lehrer auf 25 Arbeitstage.

Lehrer haben eine Woche weniger Urlaub als andere Arbeitnehmer/Beamte.

Zur Verdeutlichung sei folgende Rechnung aufgemacht: Im Jahr 2003 hat BW ca. 38 000 Abiturienten. Bei je drei Prüfungsfächern ergibt das ca. 114 000 Prüfungsklausuren, die jeweils durch Erst-, Zweit- und Drittkorrektur laufen müssen. Das sind also ca. 342 000 Korrekturen, die von ca. 10 000 Lehrerinnen und Lehrern bewältigt werden müssen.

Jede Prüfungsklausur wird über ca. 4 Vollstunden geschrieben. Dementsprechend beträgt der Zeitaufwand pro Korrektur ca. 1 Vollstunde (Erstkorrektur deutlich mehr, Drittkorrektur deutlich weniger). Dies ergibt ca. 350 000 Vollstunden Korrekturaufwand. Das entpricht 350 000 / 1 750 = 200 Arbeitsjahre; dieser Korrekturberg würde also 200 Vollzeitarbeitnehmer jeweils ein ganzes Jahr beschäftigen können. Abiturkorrekturen kosten also derzeit jedes Jahr über 200 Mannjahre Arbeit! Diese Arbeit wird vor allem am Wochenende und abends geleistet, aber natürlich müssen die Korrektoren für diese Tätigkeit zusätzlich teilweise vom Unterricht freigestellt werden, mit der Folge, dass es immer im Mai zu massiven Änderungen in den Tagesplänen der Gymnasien kommt, was wiederum weitere Lehrkräfte beansprucht.

Abiturkorrekturen erfordern jedes Jahr 200 Mannjahre Arbeit!

Dabei ist der außerunterrichtliche Bereich noch gar nicht erfasst:

Studienfahrten und Schullandheime etc. bedeuten neben der Planung und Erkundung meist mehr als 16 Vollstunden Arbeitseinsatz pro Tag, meist auch über Wochenenden hinweg. So bedeuten 7 Tage Schullandheim bereits mindestens 9 Arbeitstage zusätzlichen Einsatz (bei regulärem Acht-Stunden-Tag)!! Wenn ein beamteter Lehrer mit halbem Lehrauftrag eine Klasse ins Schullandheim begleitet, macht er in 7 Tagen sogar für 13 Tage Überstunden, wird aber weiterhin nur halb bezahlt (übrigens im Gegensatz zum angestellten Teilzeitlehrer!!).

Wer Schulfeste beaufsichtigt, weiß um die Problematik mit "fremden" Jugendlichen. Viele Schulen nehmen daher kommerzielle "Body-Guards" zu Hilfe. Spätestens hier weiß man also um den "Wert" von Aufsicht Bescheid.

Aufsicht ist verwandt mit Bereitschaft (Frühaufsicht, Hohlstundenbereitschaft, usw.). Die Ärzte haben (in der EU) endlich gerichtlich anerkannt bekommen, dass Bereitschaftsdienst zu bezahlende Arbeitszeit ist.

Diese Arbeitszeitproblematik haben die Hamburger wenigstens teilweise erkannt:
Dort wird ab Sommer 2003 einem typischen Gymnasiallehrer (Deutsch/Englisch) bei 22 Unterrichtsstunden immerhin eine Wochenbelastung von ca. 46,5 Vollstunden zugebilligt, wobei für Funktionen wie Klassenlehrer u.ä. ca. 8,3 Vollstunden veranschlagt werden.


Amtliche Quellen


Persönliches Schreiben von Ministerpräsident Erwin Teufel vom 11. April 2003 wegen der Beamtenbesoldung und -versorgung (...) an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes des Landes Baden-Württemberg (Original):

...
Der Bundesrat hat allerdings insoweit mehrheitlich eine abweichende Regelung getroffen und eine Länderöffnungsklausel beschlossen, die eine teilweise Umsetzung des Beamtenbundsmodells ermöglicht. Sollte der entsprechende Antrag die Zustimmung des Bundestages finden, werden wir im Land das Urlaubsgeld streichen und die jährliche Sonderzuwendung von derzeit 86 % auf 64 % eines Monatsgehalts kürzen.

Uns ist die Entscheidung für diese Einschnitte schwer gefallen. Sie sind aus meiner Sicht aber akzeptabel, weil wir gleichzeitig Regelungen beschlossen haben, von denen auch positive Wirkungen für die Beamten ausgehen. Auch wenn der vom Bundesrat beschlossene Gesetzesantrag das Modell des Beamtenbundes nicht vollständig aufnimmt, so bietet er den Ländern doch die Möglichkeit zu bestimmen, dass die jährliche Sonderzuwendung künftig an regelmäßigen Besoldungserhöhungen teilnimmt und mit der monatlichen Grundvergütung ausgezahlt wird. Baden-Württemberg wird diese Optionen ausschöpfen. Durch die Dynamisierung wird die Sonderzuwendung für Beamtinnen und Beamte künftig an Besoldungserhöhungen teilhaben. Somit wird zumindest langfristig die Benachteiligung gegenüber dem Tarifbereich wieder ausgeglichen.
...
Schließlich ist es für mich selbstverständlich, dass die beschlossenen Kürzungen auf die Mitglieder der Landesregierung übertragen werden. Diese werden darüber hinaus im Jahr 2003 durch eine Nullrunde auf Gehaltssteigerungen verzichten.
...
Mit den soeben dargestellten Maßnahmen können wir jedoch nur einen Teil der notwendigen Einsparungen abdecken. Zu der Einsparvorgabe von 275 Mio. Euro verbleibt ein Differenzbetrag von ca. 80 Mio. Euro, der ausgefüllt werden muss. Auch vor diesem Hintergrund haben wir uns für die Erhöhung der Wochenarbeitszeit um eine weitere Stunde auf künftig 41 Stunden entschieden. Dies aus der Überzeugung, dass insbesondere für untere und mittlere Lohngruppen weitere finanzielle Einschnitte gewiss schwerer zu schultern gewesen wären als eine moderate Anhebung der Arbeitszeit. Parallel dazu erfolgt auch eine Erhöhung der Deputate im Schulbereich sowie bei den Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und Kunsthochschulen. Allerdings werden Lehrer an Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen sowie technische Lehrer an Berufsschulen von der Deputatserhöhung ausgenommen. Ausgenommen wird auch das Lehrpersonal an den Fachhochschulen und den Berufsakademien. Schließlich werden auch 55- bis 60-jährige Lehrer, für welche die bisherige Regelung über die Altersdeputatsermäßigung galt, von der Anhebung nicht erfasst.

Die Lehrerinnen und Lehrer unter Ihnen möchte ich auf eine Wahlmöglichkeit hinweisen. Sie können weiterhin Ihren Lehrverpflichtungen im bisherigen Umfang nachkommen, müssen dann aber entsprechende Abschläge bei der Besoldung hinnehmen.
...


Denkschrift des Landesrechnungshofs vom 09.04.02: "Nutzung der Lehrerressourcen an Gymnasien (Original):

...
Ebenso wie auch sonst von den übrigen Beamten verlangt wird, dass sie das ihnen zugewiesene Arbeitspensum in der vorgegebenen Arbeitszeit erledigen, ist es grundsätzlich Sache der Lehrkraft, sich ihre nicht exakt messbare Arbeit außerhalb des Unterrichts so einzuteilen, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 40 Stunden nicht überschritten wird. Der Lehrer muss selbst darauf achten, dass die regelmäßige Wochenarbeitszeit eingehalten wird. Gegebenenfalls muss er Arbeitszeitanteile umschichten, was zur Folge haben kann, dass auf bestimmte außerunterrichtliche Aufgaben wegen der geringeren für sie zur Verfügung stehenden Zeit z. T. verzichtet werden muss.
...


Das achtjährige Gymnasium (Verlautbarung des Kultusministeriums; Original)

...
Neue Rhythmisierung des Schultages und der Schulwoche

In den Klassen 5 und 6 kann der Unterricht auf einen Nachmittag begrenzt werden. Ab Klasse 7 werden zwei Nachmittage - je nach Situation der Schule und der Schülerin bzw. des Schülers auch drei Nachmittage - erforderlich, es sei denn, eine Schule möchte Nachmittagsunterricht weitgehend vermeiden und entscheidet sich in Abstimmung mit den Schulträgern für Samstagsunterricht.

Das Gymnasium in Baden-Württemberg ist damit keine Ganztagesschule, die alle Schülerinnen und Schüler ganztägig zur Schulpräsenz verpflichtet. Sondern das achtjährige Gymnasium ist vereinbar mit außerschulischen Aktivitäten und der Teilnahme am Vereinsleben. Auf Wunsch der Eltern können selbstverständlich Schulen und Gemeinden Betreuungsangebote ausbauen.
...


Kleine Presseschau

Die im folgenden angegeben Links sind auf die Archivserver der betr. Zeitungsangebote gerichtet, der Zugriff ist mittlerweile kostenpflichtig. Daher sind die Links nicht mehr funktionsfähig.
Ich habe daher zut Kennzeichnung der Texte vermehrt Originaltextpassagen unter den entsprechenden Originalüberschriften eingeblendet (schwarz Textanfänge, grün Teilzitate aus dem fortlaufenden Text).



26. Juli 2003
Berufsschullehrer besonders betroffen
BACKNANG (fro). Der Protest gegen geplante und beschlossene zusätzliche Belastungen für Lehrer ist groß. Jetzt melden sich die Pädagogen vom Backnanger Berufsschulzentrum zu Wort und fordern öffentlichen Beistand.

23. Juli 2003
Berliner Beamte arbeiten wieder kürzer Schöne Ferien!
... Die Arbeitsgruppe, die von diesem Herbst an (...) neue Modelle für die Lehrerarbeitszeit entwickeln soll, wird daher auch prüfen, ob Lehrer künftig nicht wie andere Beamte 30 Tage Urlaub bekommen. Dann sei endlich klar, wann sie zur Verfügung stehen und wann nicht, sagen manche Pädagogen. Andere dagegen erklären, Lehrer müssten "frei entscheiden und flexibel auf bestimmte Bedürfnisse mit erhöhtem Zeitaufwand reagieren können". ...

19. Juli 2003
Beamte machen mobil
Geyer kündigt Proteste gegen Kürzungen an

18. Juli 2003
Achtjähriges Gymnasium ist jetzt Gesetz
Opposition scheitert mit Antrag auf flexible Einführung
- Lehrer kündigen Proteste an
STUTTGART. Der Landtag hat gestern beschlossen, das achtjährige Gymnasium flächendeckend vom Schuljahr 2004/05 an einzuführen. Die Lehrerverbände und die Opposition waren für eine stufenweise Umsetzung.
Schneller zum Abitur
Zu viel Neues?
... Nur kommt alles auf einmal. Das sei zu viel, sagen nicht nur Kritiker, sondern auch Eltern und Lehrerverbände. Also verschieben oder einen Korridor einführen? ...
... Würden nicht alle Gymnasien auf einen Schlag umgestellt, wäre auch der Andrang an den Hochschulen entzerrt. So werden 2012 zwei Abitursjahrgänge um Studienplätze konkurrieren. Das Problem ist noch nicht gelöst. ...
... Gute Schulen zeichnen sich durch Planung und Verlässlichkeit, Kreativität und Flexibilität aus. Das heißt, dass sie mit knappen Ressourcen - Geld, Stellen, Zeit - sorgsam umgehen. Möglich ist dies nur, wenn Lehrer sich als Gestalter und nicht als Opfer von Politik, Gesellschaft oder wem auch immer sehen - und nicht nur für das eigene Fach, sondern für die Gesamtleistung der Schule Verantwortung übernehmen. ...
Gymnasiasten kommen schneller zum Abitur
Landtag beschließt Schulreform
- SPD, Grüne und Lehrerverbände kritisieren Zeitplan
Weg frei für Turbo-Abitur
Achtjährige Gymnasialzeit im Land ab 2004
- Kinder früher schulpflichtig
Schnell lernen
Je mehr, desto besser - diese Gleichung geht in der Bildungspolitik nicht auf. Das ist spätestens seit der Pisa-Studie klar. Kultusministerin Schavan hat dieses Motto bereits vorher bezweifelt und angekündigt, die Gymnasialzeit auf acht Jahre zu verkürzen. Dass Schüler mit 18 studieren können, ist aus anderen Ländern bestätigt. Jetzt wird das Turbo-Gymnasium auch im Südwesten Realität. Doch nicht nur am Ende der Schulzeit, auch beim Start ändert sich einiges. Kinder werden früher schulpflichtig. Auf Wunsch der Eltern können sie künftig problemlos mit fünf in die Schule.

17. Juli 2003
"Unterrichtsplanung wird beeinträchtigt" Lehrer: Schwierige Unterrichtsplanung
"Ordentliche Arbeit soll auch ordentlich bezahlt werden"
Die Diäten der Abgeordneten werden auf 4666 Euro im Monat angehoben. Ist dies angemessen? Wir haben Landtagsbesucher befragt.

16. Juli 2003
In Hechingen bleiben die Schüler daheim
... Die für das kommende Jahr geplante Einführung des achtjährigen Gymnasiums kommt zu schnell, kritisieren die Eltern. ...
Der vermeintliche Verzicht kommt das Land teurer
Heute erhöhen die Landtagsabgeordneten ihre Diäten
- 2,4 Prozent mehr ab März 2004
Eltern lassen Kinder nicht in die Schule
Protestaktion in Hechingen gegen Einführung des achtjährigen Gymnasiums

15. Juli 2003
"Wenn alle klagen, hat es das Kabinett richtig gemacht"
Die Bundesländer müssen sparen: ein Blick nach Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen

10. Juli 2003
Das falsche Signal für Lehrer
Diskussion um 25. Stunde und misslungene Bildungsreform
... Wer den Lehrern immer mehr aufbürdet, muss sich über gestrichene Schullandheime nicht wundern. ...

09. Juli 2003
Elternbeirat schreibt an Erwin Teufel
... protestiert der Beirat "vehement" gegen die Streichung des Urlaubsgeldes, Kürzung des Weihnachtsgeldes und die Erhöhung des Regeldeputats von 24 auf 25 Wochenstunden. ...
Grüne dringen auf Ganztagsschulen

08. Juli 2003
Umfrage: Lehrer regelmäßig testen
... 76 Prozent halten es für wichtig, dass die Anforderungen für alle Schüler in Deutschland gleich sind. ...
Lehrer begrüßen neue Arbeitszeitdefinition
Beamte gehen im Schnitt mit 61,4 Jahren in Ruhestand
... durchschnittliche Renteneintrittsalter (...) bei Angestellten und Arbeitern bei 60,7 Jahren ...

07. Juli 2003
"Der Beruf ist einer der herausforderndsten und einer der schönsten"
Kultusministerin Annette Schavan zu geplanten Änderungen von Arbeitszeit und Urlaubsregelung bei Lehrern
- Eine Chance, das ramponierte Image aufzupolieren
Frust über Mehrarbeit für weniger Geld
... Mehr Arbeit unter erschwerten Bedingungen, dafür weniger Geld und keine Anerkennung - die Frustration unter Lehrern beruht nicht nur auf den jüngsten Ereignissen. Der Unmut hat sich über Jahre aufgestaut, sagt Christian Hauber, Lehrer am Remstalgymnasium. ...
"Fortbildung in den Ferien"
Position der Elternschaft
... Er will, dass Fortbildungskurse für Lehrer nur noch in den Schulferien angeboten werden. Zurzeit fielen zu viele Unterrichtsstunden ersatzlos aus. ...
Eine Stunde = zwei Stunden
Wie viel Lehrer arbeiten
"Verwaltungsreform positiv für Schulen"

30. Juni 2003
Lehrer: Neue Modelle erst nach Arbeitszeitstudie
Viele Pädagogen begrüßen Schavans Pläne und fordern Mitsprache
- Befristeter Urlaub kein Thema

27. Juni 2003
Vorstoß für neue Lehrerarbeitszeit
... Nach Hamburg will nun auch Baden-Württemberg neue Wege bei der Lehrerarbeitszeit gehen. ...
... Demnach soll die vorgeschriebene Zahl der Unterrichtsstunden fächerabhängig flexibilisiert werden. ...

Diskussion um Lehrerarbeitszeit eröffnet
Kultusministerin Schavan macht Vorschläge zur Neuregelung
- GEW: Interessantes Angebot
... "Die jetzige Beschreibung der Arbeitszeit passt nicht mehr in die Zeit", erklärte Annette Schavan. Nötig seien "mehr Realitätsnähe, mehr Gerechtigkeit und mehr Transparenz". ...
Neues zur Lehrerarbeitszeit
Verhandeln
... Längst ist es keine Frage mehr, dass Lehrer mehr tun, als einen halben Tag lang zu unterrichten. Es wird Zeit, das diese Frage nicht mehr gestellt wird. ...
... Lehrer sollen 30 Tage Urlaub haben, diese mit Schein einreichen und in der übrigen Zeit ansprechbar sein - ob zu Hause oder in der Schule, das ist noch offen. ...
"Erfreulich, dass es Bewegung gibt"
... Ich denke, mit diesem Vorschlag sollen zuallererst die Stammtische befriedigt werden. Es ist schon heute so, dass Lehrer die im Beamtengesetz geregelte Urlaubszeit haben, und alle Arbeitszeituntersuchungen belegen, dass in Wirklichkeit die Lehrer deutlich mehr als 41 Stunden wöchentlich arbeiten, die unterrichtsfreie Zeit eingerechnet. ...
"Regierung muss sich auf Protest gefasst machen"
Annette Schavan zaubert ein neues Arbeitszeitmodell für Lehrer aus dem Hut
... Laut Kultusministerium gibt es keine Studie zur tatsächlichen Arbeitszeit der Lehrer. Sie gehe davon aus, dass die durchschnittliche Arbeitszeit der von Beamten in der Verwaltung entspreche, so Schavan. ...
Wie anderswo gearbeitet wird
... So wird beispielsweise eine Deutschstunde in der fünften Klasse am Gymnasium mit 96 Minuten bewertet, in der achten Klasse mit 102 Minuten und im Leistungskurs mit 108 Minuten. Für eine Sportstunde werden 75 Minuten in Rechnung gestellt. ber auch andere Tätigkeiten in der Schule werden berücksichtigt. Wer etwa das Orchester leitet oder die Handballmannschaft betreut, Klassen- oder Vertrauenslehrer ist oder in der Schulentwicklung mitarbeitet, bekommt dies ebenfalls auf die Wochenarbeitszeit angerechnet. Das bedeutet, dass er weniger Stunden unterrichtet als Kollegen, die keine Zusatzaufgaben übernehmen. Über- oder unterschreiten Lehrer das Jahressoll, wird diese Zeit im Folgejahr erstattet oder muss nachgeholt werden. ...
Viel Arbeit auf der Baustelle Schule
Die Kluft zwischen Politik und Schule wird größer
Leserkonferenz mit der Kultusministerin
- Schavan droht Verweigerern an Schulen mit Strafen
... Zwischen Eltern und Lehrern hier und Politik und Wirtschaft dort wird die Kluft zusehends größer. Die Verständigung fällt schwer. ...
... "Das Imperium schlägt zurück", kommentiert er (Michael Gomolzig) den Vorstoß der Ministerin. Gut möglich, dass er damit gar nicht so falsch liegt. ...

Teilnehmer der Leserkonferenz
"Der Lernstress ist enorm"
"Wir Lehrer werden einfach zu sehr ausgebeutet." (Knut Krüger)
"Der Lernstress in der Oberstufe ist enorm." (Frederike Winkler)
"Die freiwillige Schulentwicklung liegt mir sehr am Herzen. Gerade deshalb finde ich aber auch die Deputatserhöhung sehr schade." (Marita Atam)
"Ich kann den Unmut der Lehrer verstehen. Die Mehrarbeit, die die Politik fordert, ist eine Ohrfeige." (Christian Dziobek)
"Weil die Lehrer Zusatzarbeit einschränken, ist bei uns an der Schule auch schon ein Projekt ausgefallen." (Emre Aras)
"Ich stelle mich als Schülerin auf die Seite der Lehrer. Sie bringen jeden Tag ihren Einsatz." (Hanna Saxena)

Lehrer sollen nur 30 Tage Urlaub haben
Schavan will Arbeitszeit der Pädagogen umkrempeln
- Positives Echo
Schavans Überraschung
... Zu Recht klagen Deutsch- und Fremdsprachenlehrer an Gymnasien darüber, dass sie ebenso viele Stunden halten müssen wie etwa die Sportkollegen, obwohl sie tagelang Klassenarbeiten korrigieren. ...

26. Juni 2003
Früher in die Schule - schneller zum Abitur
Landesregierung stellt Gesetz zum achtjährigen Gymnasium vor
- Einschulung bald mit fünf
Neue Messlatte für die Schulen
Bildungsstandards für Qualität
Turbo-Gymnasium kommt pünktlich
Schavan lehnt Verschiebung ab
- 110 neue Klassen an Berufsschulen

25. Juni 2003
Nur jede zweite Stelle wird wieder besetzt
CDU-FDP-Koalition beschließt Sperre für nachgeordnete Landesbehörden
Schluss mit der Bildungsmisere
McKinsey-Chef drängt auf Kurskorrektur an Schulen

21. Juni 2003
Land schafft in diesem Jahr 1230 neue Lehrerstellen
Einstellungschancen hängen wesentlich von der Schulart ab - Interessenverbände: Jungpädagogen droht Arbeitslosigkeit
Land stellt 4000 Lehrer ein: Kraftakt oder Betrug?
Streit um Berufschancen für Pädagogen - Ministerin Schavan: Pflichtunterricht gesichert
Land schafft über 1200 Lehrerstellen

20. Juni 2003
Kein Einlass für Schüler
Trauerzug gegen Bildungspolitik endet vor dem Ministerium
Trauerzug gegen Bildungspolitik
Schavan lehnt Gespräch ab

18. Juni 2003
Ministerium verbietet Schul-Protestzug

17. Juni 2003
Lehrer: Regierung setzt Reformen aufs Spiel
Gewerkschaft erneuert Kritik an den Sparbeschlüssen
- Auftakt zur landesweiten Infotour
GEW auf Tour für bessere Bildung
Verfahren
Gewerkschaft startet Kampagne gegen Bildungsnotstand
Bisher aber nur wenige teilnehmende Schulen im Land
- Kritik an Bildungsstandards wird lauter

16. Juni 2003
"Diese Verweigerungshaltung trifft vor allem die Schüler"
Die Pfingstferien enden, nicht jedoch der Streit um die Lehrerproteste
- Gymnasiallehrer sollen künftig eine Stunde länger arbeiten
Lehrerprotest bringt eine lehrreiche Zusatzlektion
Die Schüler des Kunstleistungskurses am Mörike-Gymnasium organisieren ihre traditionelle Abschlussausstellung auf eigene Faust

14. Juni 2003
Teufel drängt, seine Minister liefern
Erste konkrete Vorschläge für die Umsetzung der Verwaltungsreform
- Polizei wird nicht ausgenommen

12. Juni 2003
Streit über neue Lehrer-Arbeitszeit
STUTTGART. Die Grünen haben vergeblich versucht, die umstrittene Arbeitszeiterhöhung für Lehrer an Gymnasien und beruflichen Schulen zu verhindern. Kultusministerin Annette Schavan (CDU) lehnt es auch ab, neue Arbeitszeitmodelle zu erproben.
Stellenstopp gilt auch für Schul- und Forstverwaltung
"Lehrerarbeit neu berechnen"
Grüne: Andere Modelle nötig
... Die Arbeitszeiterhöhung für Gymnasial- und Berufsschullehrer müsse ausgesetzt und mit den Lehrerverbänden über neue Arbeitszeitmodelle verhandelt werden ...

11. Juni 2003
Einstellungsstopp bei Polizei und Behörden

05. Juni 2003
Im Elsass machen viele Lehrer vom Streikrecht Gebrauch
Proteste gegen Regierungspläne gefährden Abiturprüfungen - Eltern befürchten Nachteile

04. Juni 2003
Widerstand gegen Hamburger Schulgesetze
Eltern und Schüler wehren sich gegen Abitur nach zwölf Jahren, Lehrer gegen Mehrarbeit

28. Mai 2003
Gymnasiallehrer setzen jetzt den Rotstift an
Wie andere Gymnasien im Kreis reagieren
Schulen in Ludwigsburg und in Remseck ziehen an einem Strang
- Protest auch in anderen Städten
2000 Schüler streiken in Ravensburg
RAVENSBURG (lsw). Etwa 2000 Schüler der beruflichen Schulen und Gymnasien in Ravensburg haben gestern gegen die befürchteten Folgen der einstündigen Deputatserhöhung bei Lehrern gestreikt. "Wir sind die Zukunft, nicht die Politiker", betonten sie in Sprechchören. Die Schüler wehren sich dagegen, dass außerschulische Veranstaltungen als Folge der längeren Lehrerarbeitszeit ausgesetzt werden sollen.
Englisch ab der 1. Klasse
Baden-Württemberg als Bildungs-Vorreiter
CDU für Ganztagsbetreuung an Gymnasien
Stuttgarter Union widerspricht Kultusministerin Schavan
- Höhe der Kosten unklar
Schülerdemo gegen Lehrer-Mehrarbeit
... Ministerpräsident Teufel erklärte, er habe kein Verständnis dafür, dass sich Lehrer "wegen 45 Minuten pro Woche bockig stellen". ...
Realitätsfern und egozentrisch
... Da außerunterrichtliche Tätigkeiten dienstrechtlich geregelt und die angeordnete Mehrarbeit mit Ferien verrechnet werden können, wird der Protest erfolglos bleiben. ...
Muss meine Gesundheit schützen
... Wenn die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst seit 1950 um acht Stunden reduziert wurde, die Unterrichtsverpflichtung aber so hoch wie damals ist, dann erkennt man die Geringschätzung meiner Arbeit durch die Politik. ...
Sinneswandel
... weil gar nicht genügend Lehrer zur Verfügung stehen. Dass Einsparungen deren Lust zu größerem Einsatz nicht gerade fördern, kommt hinzu. ...

27. Mai 2003
Eltern wollen bei den freiwilligen Schulangeboten mitreden
Landeselternbeirat wehrt sich dagegen, dass Lehrer allein über Streichung von Studienfahrten und Sprechtagen entscheiden
"Keine Reform zum Nulltarif"
Gymnasiallehrer wollen freiwilliges Engagement kürzen
Die Lehrer der zehn Innenstadtgymnasien sehen sich an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Angesichts der geplanten Reformen und der gleichzeitig geforderten Mehrarbeit plädieren sie, Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts zu kürzen oder zu streichen.
Eltern wollen nicht auf Sprechtage verzichten
Lehrerprotest stößt teilweise auf wenig Verständnis - Warnung vor Frontenbildung
Stuttgart - An vielen Gymnasien im Südwesten sollen Klassenfahrten und Elternsprechtage künftig wegfallen. Der Landeselternbeirat hält diese Protestaktionen gegen längere Lehrerarbeitszeiten für "unpädagogisch".
Ernste Lage
Eltern verärgert über Lehrer
Studienfahrten gestrichen

26. Mai 2003
Massenproteste gegen Rentenreform in Frankreich
Gewerkschaften drohen Premierminister Raffarin mit einer Kraftprobe
- Abiturprüfungen wegen Lehrerstreik in Gefahr
Sauer und ausgepresst wie Zitronen
Beamte auf den Barrikaden
Die Probleme der Südwest-CDU
Lagerkämpfe
Schulangebote: Streichlisten verärgern Eltern
Protest gegen längere Lehrerarbeitszeiten:
Klassenfahrten und Elternsprechtag entfallen
Ein Polizeieinsatz der besonderen Art
Massenprotest gegen Sparkurs: Teufel am Pranger
... "Die Politiker müssten eine Nacht Streife fahren, einen Tag in vollen Klassen unterrichten." ...

24. Mai 2003
CDU-Parteitag
Teufel kritisiert Demonstranten
"Verständnis für die Enttäuschung der Lehrer"
Schavan bleibt trotz des Unmuts der Pädagogen gelassen
Protest, Programm, Parteireform
CDU-Treffen in Pforzheim
Es soll ein Parteitag der Reformen werden: Große fordert die baden-württembergische CDU für Deutschland, kleine plant sie für ihre eigene Organisation.
Scharfe Kritik am Sparkurs der CDU
Pfiffe und Zitronen für die Regierung
Gewerkschaftsprotest gegen "Giftliste" - Schäuble lässt Polizisten vorladen
Folge der Oberstufenreform: Ohne Englisch ins Abi
Die Schüler am Wagenburg-Gymnasium stellen Kultusministerin Schavan schlechtes Zeugnis aus

23. Mai 2003
Kranke Schulen
... Kranke Schüler, kranke Lehrer - das ist kein Problem im Klassenzimmer, sondern ein Problem der Gesellschaft. ...

21. Mai 2003
Land legt Bildungsstandards vor
Lehrer gefragt
Schulen sollen mehr Freiheit bekommen
... "Der Dienst nach Vorschrift wird nicht Wirklichkeit werden" ...
Spielraum
... Weniger ist mehr, heißt die neue, richtige Devise. So werden ab dem Schuljahr 2004/05 in allen Schularten schlankere Bildungspläne eingeführt. ...
Weniger Lernstoff, mehr Projekte
Lehrer und Eltern können bei den neuen Bildungsplänen noch mitreden
"Uns reicht"s" lautet das Motto
Proteste beim CDU-Parteitag

20. Mai 2003
"Schwerstarbeit im Klassenzimmer"
... "Schulische Lehrkräfte werden weder von der Öffentlichkeit
noch von den Eltern ausreichend unterstützt" ...

"Es dürfen nicht nur die Beamten zur Ader gelassen werden"
Beamtenbund-Vorsitzender Erhard Geyer wirft Ministerpräsident Teufel vor, sich den "Heißspornen" unter den Ministerpräsidenten untergeordnet zu haben
Vernachlässigte Kinder machen Lehrer krank
Studie: Immer mehr Pädagogen ausgebrannt
... "Schwerstarbeiter im Klassenzimmer" nennt die Studie der Uni Freiburg die Lehrer, die unter einer immer größer werdenden Belastung stehen. ...

09. Mai 2003
Blaumacher im Lehrerzimmer
Neues Arbeitszeitmodell: 240 Hamburger Pädagogen feiern aus Ärger krank
... für die Korrektur einer Klassenarbeit sind nur zehn Minuten vorgesehen ...

08. Mai 2003
Steuerzahler: Diätenerhöhung in Ordnung
Beamte und Polizeigewerkschaft kritisieren steigende Abgeordnetenbezüge scharf
Leitartikel: Der Landtag und das Geld
... Es ist nicht das erste Mal, dass Landespolitiker
Wasser predigen und Wein trinken. ...

Geschmacklos oder fair?
Diätenplus umstritten

07. Mai 2003
Landtag erhöht seine Diäten
Erhöhung der Diäten:
Stuttgart findet einen Kompromiss
... kräftige Aufschlag um 2,4 Prozent bei künftigen Erhöhungen Verdienst steigernd ...
Noch während der Beratung Proteste gegen Diätenerhöhung
Heftige Debatte in allen Fraktionen
- Befürworter einer Nullrunde setzen sich nicht durch
- Keine Steigerung bei den Pauschalen
... Es sei "geschmacklos", höhere Diäten zu beschließen und den Beamten eine Nullrunde zu verordnen. ...
Anhebung
Stuttgart will Diäten erhöhen / Kieler Landtag wird verkleinert
... in Anbetracht der nachgewiesenen Kostensteigerungen mehr als gerechtfertigt ...
Die "Nulldiät" setzt sich nicht durch
Landtagsspitze beschließt Erhöhung um 2,4 Prozent zum März nächsten Jahres
Nur nicht null
... Weil er die (Nullrunde) nicht erreichte, verordnete er (Teufel) sie den Beamten durch die Hintertür: per Mehrarbeit und Kürzungen. ...
Diäten steigen um 2,4 Prozent
... Straub sagte: "Mit Blick auf die allgemeine Einkommens- und Preisentwicklung sowie auf die jüngsten Tarifabschlüsse ist die vorgesehene Anpassung der Diäten äußerst moderat." ...
Gesetz gegen Diätenerhöhung
Kieler Landtag will noch diese Woche abstimmen
Frankreichs Lehrer nehmen Sparkurs nicht hin
Zehntausende protestieren gegen Finanzmisere im Bildungswesen

06. Mai 2003
Der Druck der Basis kippt die Diätenpläne
Nach Protesten nehmen SPD und CDU in Schleswig-Holstein ihre Gehaltserhöhung zurück
Angst vor der Gier
Diätenerhöhung: Proteste zeigen Wirkung
SPD und CDU in Schleswig-Holstein machen Rückzieher

02. Mai 2003
Schavan: Union unterstützt sinnvolle Reformen
Die Union wird sich nach Angaben der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Annette Schavan sinnvollen Reformen des Sozialwesens nicht verweigern.
Schavan: Union unterstützt sinnvolle Reformen

30. April 2003
Von der Nullrunde sprechen nur noch wenige Abgeordnete
Aufgeschreckt von Kiel will der Landtag eine
"moderate Diätenerhöhung" ganz rasch beschließen
- Fraktionen halten sich bedeckt
Die Einkünfte der Abgeordneten
Volkes Zorn auf seine Vertreter
Kiel: Unmut über höhere Diäten
- Was zu viel ist, ist zu viel.

29. April 2003
Schüler warnen vor Lehrerprotesten

25. April 2003
Zumutungen
... Im Schnitt gehen die Bundesbürger derzeit mit 60 in Rente und nicht erst mit 65, wie dies eigentlich mit wenigen Ausnahmen die Norm sein sollte. ...

22. April 2003
AUFGELESEN: Leistung muss sich lohnen: Lehrer testen Marktwert
Resolution gegen Kürzung
Kollegium des Remstalgymnasiums gegen Sonderopfer

19. April 2003
Aus für Studienfahrten?
Lehrer im Kreis Göppingen gegen mehr Pflichtstunden

16. April 2003
"Rosinen" fallen Reform zum Opfer
Lehrer blasen zum Streichkonzert

15. April 2003
Studie: Beamte doch früher in Rente

14. April 2003
  Schüler-Union gegen Schavan
Kritik an erneuter Deputatserhöhung

12. April 2003
Teufel schreibt an die Landesbediensteten

11. April 2003
Gymnasiallehrer proben den Aufstand
Personalversammlungen in der Unterrichtszeit - Protest gegen zusätzliche Wochenstunde
Umstrittene Bildungsstandards
Zwischen Resignation und Widerstand
Lehrer protestieren gegen längere Arbeitszeit - Eine Lehrerin schildert mögliche Konsequenzen
  Proteste der Lehrer
Trotzreaktion?
  Lehrer wollen Schulausflüge streichen
Erstmals gemeinsame Aktionen der Verbände gegen Arbeitszeiterhöhung und Gehaltskürzungen
Lehrer-Protest: Weniger Ausflüge
Unmut über Landesregierung
  Gymnasiallehrer wollen Zusatzarbeit einstellen
Auch Pädagogen an Berufsschulen kippen freiwillige Angebote - Massive Kritik an Regierung
  "Zorn nicht an Schülern auslassen"
Kritik an Bildungsstandards
Grüne: Schavan betreibt Etikettenschwindel

9. April 2003
Opposition will beim Turboabitur bremsen
Kritikern missfällt "überstürzte Einführung" des achtjährigen Gymnasiums im ganzen Land
Gymnasien vor der Reform
Wenig sensibel
Neue Fächer im Turbogymnasium
Leistungsbereit
Von 2004 an startet das Turbo-Gymnasium für alle
Landesregierung beschließt flächendeckende Einführung des achtjährigen Bildungszugs

8. April 2003
Lehrer fühlen sich degradiert
Südwesten: Achtjähriges Gymnasium kommt
"Die Verwaltung geht ins Biedermeier zurück"
Exregierungspräsident Bulling über Teufels Reformpläne
Gymnasiallehrer protestieren heftiger
8000 Gymnasiallehrer unterzeichnen Protest

7. April 2003
Döring wendet sich gegen "Funktionärsgekreische"
Kritik an Lehrerverbänden - Philologen protestieren mit Unterschriftenliste gegen Zusatzstunde

5. April 2003
"Kinder dürfen nicht Leidtragende sein"

4. April 2003
Schulleiter gegen höhere Deputate Zahl der Ganztagsschulen steigt auf 425
Schavan: "Einzigartiger Kraftakt" - Gewerkschaft: Mittel nur umverteilt

3. April 2003
"Verbandsparolen"
Lehrer drohen mit Dienst nach Vorschrift
Interessenverbände werfen Landesregierung Realitätsverlust vor - Reformvorhaben wackeln
Lehrerverbände drohen mit Dienst nach Vorschrift
Pädagogen protestieren gegen Arbeitszeiterhöhung - Schavan kritisiert "Boykottaufruf"
Blauäugig
Schülerdisco und Klassenfahrt fallen aus
Protest gegen Mehrarbeit: Lehrer wollen Dienst nach Vorschrift machen
Landtagspräsident hält nichts von einer Nullrunde
Spannung vor Diätenbericht - Einigung bei Zulagen?

2. April 2003
Südwesten: Lehrer kündigen massive Proteste an
Verbände gegen längere Arbeitszeit und weniger Gehalt

1. April 2003
GEW: Widerstand gegen Zusatzstunde

31. März 2003
Teufel will Reform beschleunigen
Bei Behördenabbau "schneller zum Zug kommen" - Ja zu neuen Lehrerstellen
"Ich würde mich auch ungerecht behandelt fühlen"
Stuttgart - Streichung des Urlaubsgelds, weniger Weihnachtsgeld und obendrein eine Stunde zusätzliche Arbeitszeit: Die neuen Sparmaßnahmen treffen die Beamten hart.

28. März 2003
Kaum Wegweisendes für die Schulpolitik
Regierungserklärung von Kultusministerin Schavan - Debatte versandet in bekannten Positionen
Schavan hält Kurs - SPD spricht von "Schavanismus"
Kultusministerin: Zeitplan für achtjähriges Gymnasium bleibt - Mehr Förderung im Kindergarten
Rituale

27. März 2003
Landesbeamte sind empört über verlängerte Arbeitszeit
Teufel gesteht Ungerechtigkeit der Maßnahme ein - Beamtenbund will sich gegen "immer neue Sonderopfer" wehren
Beamte wehren sich
Proteste gegen Spar- und Reformpläne des Landes
Kleinholz
Mehr Unterricht für Lehrer
Verbände protestieren

26. März 2003
Teufel will den Behördenapparat straffen
Bis zu 4000 Stellen sollen gespart werden - Arbeitszeit von Gymnasiallehrern wird erhöht
Ein Vorstoß, der viele Reformpläne überflüssig macht
Landesregierung will aber an dreigliedriger Verwaltung festhalten - Auch Ministerien sollen spürbar abspecken
Beamtenbund: Protest gegen Sparbeschlüsse
Schulverwaltung
Eine Stunde Mehrarbeit für Beamte
Landesregierung beschließt Verwaltungsreform: 350 von 450 Behörden abbauen Schavan hält Regierungserklärung

25. März 2003
Kritik an Beamten-Sparplänen
Landesregierung: Reaktionen sind "Lobbyreflex"
Teufel strebt radikalen Umbau der Landesverwaltung an
Polizeidirektionen und Schulverwaltung sollen angeblich in Landratsämter integriert werden

24. März 2003
Beamte drohen mit Protesten
Lehrerverband: Lehrer fühlen sich gegängelt

22. März 2003
Schavan: Neue Oberstufe ein Erfolg
Baustelle Bildung

20. März 2003
Schavan: Neue Oberstufe ändert nichts an Noten
Kultusministerin sieht sich durch statistische Auswertung des ersten Schulhalbjahrs bestätigt

11. März 2003
Neue Arbeitszeiten für Lehrer
GEW will Modellprojekt - Ministerium lehnt ab

20. Februar 2003
Stuttgart: Debatte um Ganztagsschulen
Schavan gegen Vorschlag von Bulmahn

13. Februar 2003
Leitartikel: Hilferuf aus den Schulen
"Jetzt muss mancher Schüler eben eine neue Balance zwischen Schule und außerschulischen Aktivitäten finden".

21. Januar 2003
Horst Bäuerle: Auch die Staatsdiener müssen Federn lassen
Doch Beamtenbund-Chef Bäuerle wehrt sich gegen pauschale Kürzungen im öffentlichen Dienst

13. Januar 2003
Weniger Schüler
Diskussion um Lehrerstellen
Oettinger: Bald weniger Lehrerstellen notwendig

26. Dezember 2002
Teufel: "Nullverschuldung bleibt unser Ziel"

03. Dezember 2002
Leitartikel: Vertane Chancen nach Pisa

21. November 2002
Leitartikel: Die Selbstbediener
... Sie predigen Wasser und trinken Wein ...

18. November 2002
Finanzkrise: Lehrer sollen künftig erst mit 60 kürzer treten
Einschnitte bei Berufsgruppen - SPD: Teufel hat Öffentlichkeit belogen - Neuverschuldung steigt


Stuttgarter Nachrichten vom 11.04.2003

Gymnasiallehrer wollen Zusatzarbeit einstellen

Auch Pädagogen an Berufsschulen stellen freiwillige Angebote in Frage - Massive Kritik an Regierung

Stuttgart - Die Lehrer im Land machen Ernst: In etwa 80 Prozent der rund 800 Gymnasien und Berufsschulen im Land fanden am Donnerstag Personalversammlungen statt, um gegen Mehrarbeit und weniger Besoldung zu protestieren. Künftig werden an vielen Schulen Ausflüge und SchüIerbetreuungsangebote gestrichen.

VON TORSTEN SCHOLL

"Wenn wir streiken dürften, würde in diesem Jahr das Abitur ausfallen. Dann würde es wirklich brennen im Land." Karl-Heinz Wurster, der stellvertretende Vorsitzende des Landesphilologenverbands, ist wie die meisten seiner Kollegen angesichts der Mehrbelastungen, die das Kultusministerin den Lehrern aufbürden will, aufgebracht. An zahlreichen Schulen in Baden-Württemberg verabschiedeten am Donnerstag deshalb die Lehrerkollegien Resolutionen gegen die geplanten Einschnitte. "Deputatserhöhung und Gehaltskürzung", stand über vielen der Protestnoten, "das ist zu viel!"

Die Gymnasiallehrer im Land kündigten an, es werde künftig deutlich weniger freiwillige Angebote an den Schulen geben. So stehen auf der Streichliste des Paracelsus-Gymnasiums in Stuttgart die verlässliche Unterstufe, der Tag der offenen Tür, der Elternsprechtag, ein zweiter Schulausflug, die Betreuung von SMV-Veranstaltungen, Studienfahrten, Exkursionen und das Schulfest. "Wollen wir wirksam protestieren", sagte Wurster, "sind wir gezwungen, bei den freiwilligen Leistungen anzusetzen." Die Personalversammlungen waren nach Darstellung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) so gut besucht wie schon lange nicht mehr. Ihre Resolutionen hätten aber keinen verbindlichen Charakter. Sie müssen an den Schulen von der Gesamtlehrerkonferenz abgesegnet werden.

"Lehrer arbeiten im Schnitt über 50 Wochenstunden"

Die Gymnasiallehrer kündigen Kultusministerin Annette Schavan außerdem ihre Zusammenarbeit bei der raschen Einführung des achtjährigen Gymnasiums auf. Der Stuttgarter Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Rolf Dzillak: "Die Kinder sind uns wichtig. Nicht aber, ob G8 nun 2004 oder 2006 eingeführt wird." Die Kollegen seien einfach nicht mehr bereit, Schavans Reformpolitik zu unterstützen, sagte der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem in Pforzheim. Verärgert, heißt es, sind die Lehrer vor allem, weil das Kultusministerium nicht das Gespräch mit den betroffenen Pädagogen sucht.

Tiefe Einschnitte soll es auch an den Berufsschulen geben: Die Berufsschullehrer wollen unter anderem ihre Mitarbeit in Prüfungsausschüssen und Kommissionen der Handwerks- und Industriekammern kündigen. ,,Damit bricht das Prüfungssystem an den Berufsschulen zusammen", so ein Berufsschullehrer aus Stuttgart.

Kritikern, die mit Unverständnis auf die Proteste der Lehrer reagieren, versucht Dzillak den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Lehrer arbeiten heute schon im Schnitt mehr als 50 Stunden in der Woche. Das Problem ist aber, dass die Arbeitszeit von Lehrern in Deputaten gemessen wird." Künftig soll ein volles Deputat an Berufsschulen und Gymnasien 25 statt wie bisher 24 Schulstunden in der Woche umfassen. Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschullehrer sind von der Arbeitszeiterhöhung ausgenommen, weil sie seit 1997 bereits eine Stunde länger unterrichtet haben, als es ihr Deputat vorsieht und jetzt fünf Jahre lang entsprechend ihrem Deputat arbeiten dürfen.

Die Lehrer seien "empört und fassungslos", sagte der Sprecher der Berufsschullehrerverbände, Rolf Dörflinger. Ihr Gehalt werde gekürzt und die Arbeitszeit verlängert. Gleichzeitig sollen sie immer größere Klassen und die Neuordnung der Ausbildungsberufe bewältigen.


Stuttgarter Nachrichten vom 11.04.2003

NACHGEFRAGT

Dino Maiwaldt

Der Vorsitzende des Landesschülerbeirats versteht den Ärger der Lehrer, hofft aber, dass die Aktivitäten nicht wegfallen.

"Zorn nicht an Schülern auslassen"

Die Lehrer drohen mit einer Reduzierung der außerschulischen Angebote. So werden die Schüler zu Leidtragenden der Mehrarbeit - oder?

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Dass sich die Lehrer mit ihren Drohgebärden zu Wort melden, ist ihr gutes Recht. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es auch künftig Schullandheimaufenthalte und andere Aktivitäten gibt.

Wieso sind Sie so optimistisch?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lehrer ihren Zorn über eine Stunde Mehrarbeit wöchentlich an jenen auslassen, mit denen sie jeden Tag zu tun haben. Wenn man bei den außerschulischen Angeboten sparen würde, hätte man nichts aus der Vergangenheit gelernt. Gerade die Pisa-Studie hat doch gezeigt, dass das soziale Miteinander innerhalb einer Schule entscheidend ist. Nur an einem Ort, wo sich Schüler und Lehrer wohl fühlen, sind sie in der Lage, gute Ergebnisse zu liefern.

Warum soll den Lehrern die kleine Belastung nicht zuzumuten sein?

Man muss fairerweise unterscheiden zwischen der Arbeitszeit im Unterricht und der unterrichtsfreien Arbeitszeit. Ich weiß, dass Lehrer sehr viel arbeiten. Alle, die außerhalb einer Schule stehen, können das nicht beurteilen. Für manchen Lehrer ist diese eine Stunde Mehrarbeit deshalb allmählich der Exitus.

Aber was ist die Alternative?

Mehr Lehrer einstellen.

Die Landesregierung schafft bis 2006 bereits über 5000 neue Lehrerstellen. Mehr ist nicht finanzierbar.

Trotzdem reicht die Zahl der Lehrer noch nicht. Erstens haben wir an vielen Schulen einen Klassenteiler von 30 Schülern, was laut Pisa-Studie zu groß ist. Zweitens kommt es in den Schulen immer nach zu massiven Unterrichtsausfällen.

Fragen von Frank Krause


Stuttgarter Zeitung vom 11.04.03

Lehrer wollen Schulausflüge streichen

Erstmals gemeinsame Aktionen der Verbände gegen Arbeitszeiterhöhung und Gehaltskürzungen

STUTTGART. Die Lehrer im Land wollen weniger Studienfahrten oder Schulausflüge machen. So protestieren sie gegen längere Arbeitszeit und weniger Gehalt. An 80 Prozent der Gymnasien und Berufsschulen wurden gestern Personalversammlungen abgehalten.

Von Renate Allgöwer

Zum ersten Mal in der Geschichte der Lehrerverbände tun sich alle Organisationen zu Protesten zusammen. Der Aufruf zur "Konzentration auf das Kerngeschäft" sei in allen Personalversammlungen auf breite Zustimmung gestoßen, sagte Rainer Dahlem, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Demnach wollen viele Schulen freiwillige Veranstaltungen wie Schullandheimaufenthalte, Studienfahrten oder Schulfeste reduzieren oder ganz ausfallen lassen. Das freiwillige Engagement der Lehrer werde bisher stillschweigend vorausgesetzt, klagten Verbandsvertreter. Dieses wollen sie jetzt zurückfahren. Nicht weil sie keine Lust, sondern weil sie keine Zeit hätten, sagten die Funktionäre bei einem gemeinsamen Treffen in Stuttgart. Alle anderen Demonstrationen und Proteste seien bisher erfolglos geblieben.

Die Lehrer verlangen, dass die Landesregierung die Arbeitszeiterhöhung und die Besoldungskürzungen zurücknimmt. Nach den jüngsten Sparbeschlüssen sollen Lehrer an Gymnasien und Berufsschulen statt 24 in Zukunft 25 Wochenstunden unterrichten. Das bedeute wegen Vor- und Nachbereitung eine reale Arbeitszeiterhöhung um zwei Stunden, erklären die Lehrer. Außerdem wurde ihr Urlaubsgeld gestrichen und das Weihnachtsgeld gekürzt. Weil es keine Gespräche zwischen Ministerium und Verbänden gegeben habe, empfinden die Pädagogen dies als Provokation.

Besonders wichtig ist den Verbandsvertretern aber, dass sie die vom Kultusministerium angestoßenen Reformen nicht mehr durch Zusatzarbeit mittragen wollen. Durch freiwilligen Einsatz der Lehrer könnten manche Reformvorschläge von Kultusministerin Annette Schavan (CDU) schneller umgesetzt werden. Dazu sind die Lehrer jetzt nicht mehr bereit. Das Ministerium habe durch zahlreiche Reformvorschläge ,,ein Chaos quer durch alle Schularten geschaffen", sagte Rolf Dzillak von der GEW in Stuttgart. ,,Wir sind nicht mehr bereit, der~ verfahrenen Karren aus dem Dreck zu ziehen." Die Berufsschullehrer kündigten an, sie würden sich aus den Prüfungskommissionen der Industrie- und Handelskammern zurückziehen. Damit werde das Prüfungswesen lahm gelegt.

Der Unmut bei den Lehrern sei mittlerweile so groß, dass viele auf den Beamtenstatus verzichten würden, sagte Karl-Heinz Wurster, der stellvertretende Landesvorsitzende des Philologenverbandes. Als Angestellte hätten sie ein Streikrecht. ,,Wenn wir streiken könnten, würden wir andere Schwerpunkte setzen", erklärte Wurster. Jetzt bleibe keine andere Form des Protestes als die, die freiwilligen Engagements zu reduzieren.

Ihre Protestaktionen wollen die Schulen regional koordinieren. Welche Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden, werde bei weiteren Versammlungen im Mai besprochen, kündigte Wurster an. Konkrete Beschlüsse müssten in den Gesamtlehrerkonferenzen gefasst werden. Gestern dauerten einige der Treffen bis zu vier Stunden. Teilweise begannen sie während der Unterrichtszeit. Die GEW kritisierte, dass Schulverwaltungen versucht hätten, die Versammlungen zu verhindern. Das Kultusministerium erklärte, mit den Versammlungen habe die GEW Unterrichtsausfälle produziert, die sie sonst unbedingt verhindern wolle.


Stuttgarter Zeitung vom 11.04.03

Proteste der Lehrer

Trotzreaktion?

Renate Allgöwer

Der Unmut der Lehrer war bisher verständlich. Weniger Geld und mehr Arbeit wirken nicht gerade motivierend. Jetzt planen sie jedoch Aktionen, die zweifellos öffentlichkeitswirksam sind, aber im Zweifel die Falschen treffen. Sie werden wenig Verständnis finden, wenn Schüler auf ihren Ausflug oder ihre Studienfahrt verzichten müssen, weil die Pädagogen mit ihrem Arbeitgeber über Kreuz sind. Die Lehrer sind in der Zwickmühle. Als Beamte dürfen sie nicht streiken, dennoch wollen sie Druck ausüben. Aufsehen erregen sie natürlich eher dadurch, wenn sie nicht mehr ins Schullandheim fahren, als wenn sie schulintern Reformen verzögern.

Sollten die Lehrer ihre Ankündigung wahr machen, könnten die Aktionen jedoch gleich mehrfach auf sie selbst zurückfallen. Immer wieder beklagen die Pädagogen, dass ihr Ansehen in der Gesellschaft schlecht sei. Ständig müssten sie sich mit Vorurteilen auseinander setzen. Ihr Engagement würde nicht genügend anerkannt. Was sie jetzt vorhaben, könnte leicht als Trotzreaktion aufgefasst werden. Wenn sich die Lehrer auf ihr Kerngeschäft, den Unterricht, zurückziehen, dann dürfte das kaum dazu beitragen, ihr Ansehen zu heben. Auch in der Schule selbst könnten sich solche Aktionen negativ auswirken. Auch wenn klassenfahrten zeitlich und sogar finanziell für die Lehrer aufwendig sind, für das klima in den Klassen lohnt sich der Einsatz rund um die Uhr allemal. Auch die Motivation der Schüler könnte durchaus zurückgehen, wenn sie erkennen, dass ihre Lehrer nur noch das Nötigste tun. Die Landesregierung jedenfalls trifft es vermutlich am wenigsten, wenn Schüler keine Ausflüge mehr machen dürfen.


Stuttgarter Nachrichten vom 14.04.2003

Schüler-Union gegen Schavan

Kritik an erneuter Deputatserhöhung

Karlsruhe/Stuttgart - Die Mehrarbeit für Gymnasial- und Berufsschullehrer stößt bei der CDU-nahen Schüler-Union auf scharfe Kritik. Der Landesverband Baden-Württemberg fürchtet, dass die Lehrer künftig zum "Dienst nach Plan" übergehen.

VON TORSTEN SCHOLL

"Man kann nicht von den ohnehin schon stark überlasteten Gymnasiallehrern verlangen, längere Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen, und ihnen auf der anderen Seite das Weihnachts- und Urlaubsgeld kürzen", sagte der Landeschef der Schüler-Union, Nikolas Löbel. Er bezeichnet die Deputatserhöhung als "einen weiteren Schuss in den Ofen von Ministerin Annette Schavan".

Gymnasial- und Berufsschullehrer hatten angedroht, freiwillige Leistungen wie Schülerbetreuung, Ausflüge und Mitarbeit in Prüfungsausschüssen künftig zu streichen, weil ihre Deputate um eine Stunde von 24 auf 25 Unterrichtsstunden erhöht werden sollen. Lehrer aus Berufsschulen und Gymnasien weisen darauf hin, dass sie bereits 1997 mit einer Deputatserhöhung von 23 auf 24 Stunden belastet wurden. Demgegenüber hätten Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschullehrer damals ein Vorgriffsstundenmodell ausgehandelt: Danach wurden die Lehrer dieser Schularten von 1998 an auf Grund der ansteigenden Schülerzahlen zwar verpflichtet, fünf Jahre lang ebenfalls eine Stunde mehr zu unterrichten. Der Vertrag sicherte dieser Lehrergruppe jedoch zu, vom Schuljahr 2003/2004 an fünf Jahre lang gemäß den Deputaten (zwischen 26 und 28 Stunden) zu unterrichten und von 2007 an weitere fünf Jahre lang eine Stunde weniger zu arbeiten. Eine Ungerechtigkeit, meinen viele Lehrer: Tatsächlich seien von der Deputatserhöhung 1997 genauso wie von der jüngsten nur Berufsschul- und Gymnasiallehrer betroffen.

Wie ein Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bestätigt, schützt das 1997 ausgehandelte Modell heute "ungewollt Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschullehrer vor verordneter Mehrarbeit, wie sie die Gymnasial- und Berufsschullehrer leisten sollen.


Wie's andere sehen


Lehrer: Heiner Stauff (NRW)
Paul Tresselt (NRW)
Christoph Gäbler (HH)
Martin Broder (Ch)
Arbeitszeitstudien: Mummert+Parner (NRW 1999)
Endbericht der Lehrerarbeitszeitkommission HH 2003
Die Arbeitszeit der Schweizer Lehrpersonen (Ch 1999)
Studie der Lehrerarbeistzeit (At 2000)
Wentner & Havranek (At 2000)
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Dietrich Tilp  |  Flag Counter  |  14.02.2014