Untis seit den 70ern in BW


Stand 28.09.2026

Prolog

Fast in meinem gesamten Dienstleben bin ich von Untis begleitet und beeinflusst worden, ich durfte es sogar (zusammen mit vielen Gleichgesinnten) manchmal praktisch mitgestalten, war "Pilotanwender für Untis" im Auftrag von GP und lange Jahre einer der "Eingabeberater für Untis-Schulen in BW", erst im Auftrag der DZ BW und später der Fa. Untis BW.

Meine Zeit war also beruflich u.a. geprägt vom Übergang von Großrechenanlagen zu Persönlichen Computern (PCs).
Die folgende Darstellung baut auf meiner subjektiven Erinnerung auf, soll also keinesfalls die Untis-Dokumentation ersetzen.

Obwohl sich WebUntis, die Online-Erweiterung von Untis, bereits vor dem Ende meiner Dienstzeit zu einem mächtigen Instrument etwickelt hatte, habe ich das Programm nie selbt getestet und eingesetzt. Aber meine Nachfolger verwenden WebUntis sehr erfolgreich in unserer Schule.


Untis-Entwicklung in Österreich

Seit 1970 wird Untis (Unterrichstsinformationssystem) von Fa. Gruber & Petters (GP) entwickelt und vertrieben. Das Programm ist die marktführende Software für digitale Stundenplanung, Vertretungsplanung und Schulorganisation im deutschsprachigen Raum.

2015 verfasste Dr. Petters anlässlich des 45-jährigen Firmenjubiläums die Dokumentation Gruber & Petters: Wie alles begann.
Stationen sind u.a.:
- 1970 Mainframe-Version Untis für den Großrechner IBM /360.
- 1980 Mainframe-Version Untis-80.
- 1982 Untis-80 / Dialog: Erfassen an der Schule - Rechnen am Mainframe (wohl nie echt eingesetzt).
- 1984 PC-Untis; Der Durchbruch: Erfassen, Rechnen und Ausgeben an der Schule!
- 1985 gp-Mentor Zusatzprogramm (Modul) zur Unterrichtsplanung/Deputatsverwaltung
- 1986 GP-Untis; Namensänderung und der Start für weitere Module:
            + gp-Curs zur Kopplungsbildung bei freier Schülerwahl von Kursen
            + gp-Present für Vertretungsplanung
            + gp-Minut für unterschiedlich lange Unterrichsstunden (für schwedische Schulen)
            + gp-Upis für Deputatsabrechnung/Lehrerbesoldung an österreichischen Schulen
- 1991 auch lauffähig unter Windwows 3.1
- 1993 Jahresstundenplan/Mehrwochenstundenplan
- 1995 nur noch lauffähig unter Windows
            Tauschvorschläge (gp-Untis, gp-Present), Globaldiagnose (gp-Untis), Schulbilanz (gp-Mentor)
- 1998 Untis99; Namensänderung und Zusammenfassung der Module in einem gemeinsamen Programm.
- 1999 Stundenplan-Perioden sind möglich
- 2004 Beginn von WebUntis
- 2006 Multiuser-Modus für große Schulen
- 2008 mehrere unterschiedliche Zeitraster
- 2010 UniUntis für Fachhochschulen und Universitäten
- 2013 Multiusereinsatz schulübergreifend in Hamburg und Berlin.
            Hunderte Schulen einer Stadt in einem gemeinsamen Programm.
- ……  vUntis, Untis Mobile, Untis Premium, Untis Basic Web, Noten - Untis, Untis pro, Untis basic, …
- 2026 Untis Arbeitszeit: Bremen startet Pilotprojekt zur Erfassung der Lehrerarbeitszeit – Untis ist der Technologiepartner.


Untis-Start in BW

Ende der 70er startete ich mein Berufsleben am Königin-Katharina-Stift in Stuttgart. Neben meinen "Pflichtfächern" Mathematik und Physik waren meine "Hobbyfächer" Darstellende Geometrie und Informatik.

Wegen der Informatik wurde ich recht schnell ins Stundenplanungsteam "berufen" und kam so in Kontakt mit der Großrechnerversion Untis-80, gemietet von der Datenzentrale (DZ BW) in Stuttgart und bereitgestellt im städtischen Rechenzentrum:
Baden-Württemberg war nämlich der erste ausländische "Kunde" von GP (vermutlich ab Mitte der 70er).

Wie sich herausstellen sollte, waren damit meine Sommerferien für die nächsten Jahre fast auf die Hälfte geschrumpft. Und weil das Stundenplanerteam im Wechsel auch für die Tagesvertretungspläne zuständig war, wurde das Rektorat für mich zum "Nebenwohnsitz".

Aus Baden-Württemberg kam aber auch damals schon die Warnung: „Stundenplanprogramme werden schwer zu verkaufen sein. Für Sachmittel ist die Kommune zuständig, für Personalmittel das Land. Da wird vermutlich ewig gestritten, ob der Stundenplan in den Sach- oder den Personal-Bereich fällt.“
Das sollte allen Untis-Schulen in BW später noch auf die Füsse fallen, s.w.u. *).

Als kurze Zeit nach meinem Berufsstart die Kursstufe (NGO) in BW verpflichtend eingeführt wurde, wurden meine Hobbyfächer in der NGO als Wahlfächer (Orchideenfächer) angeboten.     Das war schön.
Doch Untis kannte die NGO damals noch nicht.           Das war nicht schön.

Wir besaßen aber für diese umfänglichen Neuerungen glücklicherweise eine Handrechung des PhV BW, verfasst und erprobt von Theo Bojus ("Vater der Oberstufenreform", damals Chef des Philologenverbands und Direktor am Albert-Schweitzer-Gymnsium Neckarsulm).
Doch das bedeutete sehr viel zusätzliche Handarbeit.

Aber ich besaß damals schon einen Commodore PET 2001, auf dem daher kurze Zeit später eine erste Vorversion einer Kurswahlverwaltung realisiert wurde, was ab Verfügbarkeit der Serie CBM 8032 zu einer ernstzunehmenden Kursstufenverwaltung führte ( fast 40 Jahre PROSA / winprosa) und einige Zeit später auch Auswirkungen auf Untis haben sollte (Schnittstelle zu gp-Curs und ab 2004 sogar bidirektional zum Kursplanungsmodul in Untis).


Mainframe-Untis-Alltag

Bevor Untis aus internen Finanzierungsgründen in BW beinahe verschwunden wäre (s.o. bei *)), ergab sich folgender Alltagseinsatz, wie ich ihn später in einem Testbericht über PC-Untis rekapituliert hatte (s.r.u.).

Damals mussten wir also alle Schuldaten jedes Jahr erneut auf Eingabeformularen (DIN-A4) eintragen, jeweils ergänzt um das aktuelle Deputat. Diese Daten wurden dann im Rechenzentrum auf Lochkarten übertragen, usw.
Heinz Petters hat das in seiner Doku ab Seite 14 schön beschrieben.

Wenn man keinen Plan bekommen konnte, spuckte der Großrechner ersatzweise ein Fehlerprotokoll aus.
Mein allererstes Fehlerprotokoll hatte ich allerdings zu großzügig interpretiert und daher unvollständig abgearbeitet mit der Folge, dass schon wieder ein ganzer Arbeitstag vergebens gewesen war.

Aber auch aus Maschinensicht fehlerfreie Pläne konnten noch jede Menge schulpraktischer Probleme enthalten, die nur durch schrittweise Verfeinerung der Eingabedaten zu beseitigen waren. Und jeder Schritt kostete immer einen weiteren Arbeitstag!

Also übernahmen wir den ersten halbwegs vernünftigen Plan auf die ARBRA-Stecktafel in unserer Schule und optimierten dort von Hand weiter mit der Folge, dass mit jedem weiteren Tag Handarbeit die ursprünglich gedruckten Maschinenpläne immer weniger zu unserem geänderten Plan passten, was zum Schluss viel Arbeit bedeutete, die Änderungen nachträglich in die gedruckten Pläne zu übertragen.

Zwei Vorteile hatte das Vorgehen: Das Kollegium konnte sehen, dass wir nicht nur die Maschine arbeiten ließen, sondern auch selber viel Hirnschmalz beim Nachoptimieren einsetzten. Und ich lernte dabei das klassische Stundenplanen fast von der Pike auf.
Der damals im Team geprägte Satz "wenn wir für einen Kollegen eine zusätzliche Stunde in dessen Planoptimierung investieren, freut ihn das dann ein ganzes Jahr" hat mich meine gesamte Dienstzeit begleitet. Und genauso das Nachoptimieren.

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Das war auch noch die Zeit der händischen Deputatserstellung. Dabei mussten z.B. 70 Lehrkräfte auf 30 Klassen so verteilt werden, dass die Stundentafelverordnung samt jeweilgem Organisationserlass erfüllt wurde und die Lehrkräfte gemäß deren individuellem Lehrauftrag/Deputatsumfang eingesetzt wurden. Und das jedes Jahr aufs Neue und mit wechselnden Parametern.
Und dabei sollte immer auch dafür gesorgt werden, dass Männer und Frauen, milde und strenge Lehrkräfte, usw., paritätisch auf die Klassen verteilt wurden.
Und es war die Zeit der täglichen händischen Tagesvertretungsplanung. Wir stellten die Tagesvertretungen handschriftlich zusammen, die Sekretärin tippte das mit der Maschine ab, damit zusätzlich ein Durchschlag zur Archivierung verfügbar war.

Es gab schließlich noch keine PCs und daher für die Schulleitungen weder LAV BW noch gp-Mentor oder gp-Present. Selbst Taschenrechner waren damals noch was unerhört Neues und Fotokopierer waren noch eine teure Seltenheit!
Die damals der Behörde jedes Jahr auszuliefernde Lehrauftragsverteilung war eine einen Quadratmeter große händisch zu erstellende Tapete.


PC-Untis und dessen Geburtswehen in BW

Die Warnung (s.w.o. bei *)) muss wohl um 1982 wahr geworden sein: Die Finanzierung von Untis sollte eingestellt werden. Doch wir hatten "Blut geleckt", wollten also nicht mehr auf Maschinenunterstützung verzichten.

Da kam es sehr passend, dass es inzwischen z.B. die Commodore-Serie CBM 8032 mit viel Peripherie gab und in München StD Gerd Rinder für eben diese Geräte ein Stundenplanprogramm namens Mosaik-83 entwickelt hatte.

Der Not gehorchend wurde Mosaik-83 in BW an mehreren Schulen mindestens ein Jahr lang eingesetzt, obwohl es gegen Untis-80 chancenlos war. Aber es war immerhin verfügbar und es lief auf dem CBM 8032 in der Schule, war also eine "Vor-Ort-Lösung"!

Um Mosaik-83 in BW zu puschen, hatte ich einen Bericht verfasst: Erstellung von Stundenplänen mit EDV-Unterstützung: Vergleich der Programme Untis-80 - Mosaik-83.

Der Text mag höchstens Nostalgiker noch interessieren, aber der letzte Abschnitt (s.r.) hatte damals sehr viel Relevanz.

Für Apple-Computer gab es mittlerweile das Stundenplanprogramm Auster, also eine weitere Vor-Ort-Lösung.

Auch GP hatte erkannt, dass die Zukunft bedeutete: Weg von den Rechenzentren, hin an die Schulen, wie Heinz Petters in seiner Doku ab Seite 20 schreibt.

Und so wurde ab 1982 Untis-80 / Dialog entwickelt für Datenerfassung lokal an der Schule und Planerstellung weiterhin am Mainframe. Aber das Programm war entstanden "eher der Not gehorchend, nicht dem Triebe". Ich durfte eine Version für CBM 8032 testen (also ohne echte Eingabemasken/Eingabefenster), die leider schwer bedienbar war.

Da kam der IBM-PC gerade recht.
Und Gruber & Petters begannen sofort an "PC-Untis" zu arbeiten und sorgten dabei für ordentliche Eingabemasken für leichte Bedienung (es gab ja noch kein GUI / keine Fenstertechnik und keine dazu nötige Mausbedienung)!

Als IBM 1981 den IBM-PC vorgestellt hatte, begann für uns Computerfreaks ein neues Zeitalter. Aber mit anfangs 8.500 DM war der PC für Schulen unerschwinglich und für Lehrer sowieso. Und der Arbeitsspeicher war recht klein.
Aber dann kam die IBM-PC-Spende: 100 PCs für Schulen in BW. Das läutete wirklich eine Zeitenwende ein (nicht nur für uns arme Stundenplaner).
Ich hatte das Glück, einen der Spenden-PCs fürs "Katzen-Stift" zu ergattern und zusätzlich eine Testversion von PC-Untis zu erhalten.

Die Speicherausstattung des IBM-PC reichte für PC-Untis nicht aus. Es war mir aber gelungen, die damalige LEU (Landesstelle für Erziehung und Unterricht) als Sponsor für die notwendige Speichererweiterung auf 640 KB (Wert ca. 3.000 DM!) zu gewinnen.

Das war natürlich eine große Verpflichtung zum ausführlichen Testen, ab 1984 vom Georg-Büchner-Gymnasium Winnenden aus (den IBM-PC durfte ich leihweise mitnehmen). Und das Ergebnis war "berauschend", wie meinem euphorischen Testbericht über das Stundenplanprogramm PC-Untis von 1985 zu entnehmen war.

Eigentlich beschrieb der Bericht lediglich ausführlich, was auch mit dem Mainframe-Untis-80 schon möglich gewesen war. Aber das nun als Vor-Ort-Lösung am schuleigenen PC:

Wenn die Eingabedaten stimmten, war ein kompletter Stundenplan in 70 - 150 Minuten fertig. Und wenn bei den Eingabedaten nachgearbeitet werden musste, waren halt nochmals 1 - 2 Stunden fällig, aber nicht mehr ein ganzer Arbeitstag.

Interessant ist im Testbericht heute höchstens die Schlussbemerkung (s.r.).
- Dort wird im ersten Abschnitt die fruchbare Zusammenarbeit zwischen
  den Programmautoren und ihren Anwendern hervorgehoben.
- Und das gilt bis heute: GP haben auch immer das programmiert, was wir
  Anwender als notwendig beschrieben und erbeten hatten.
- Und dem letzten Abschnitt ist zu entnehmen, wie nun die Finanzierung
  von PC-Untis in BW wieder gesichert war: Aufteilung zwischen Schulträger
  und Land.

Ich war so begeistert, dass ich sogar bereit gewesen wäre, den schulischen Anteil der Lizenzkosten privat zu tragen, denn ich sah damals schon den Qualitätssprung beim Stundenplanen und fand es hoch befriedigend, den PC auf Höchstleistung zu trimmen. Auch der mögliche Rückgewinn an Freizeit war damals vorhersehbar.
Aber das habe ich natürlich nicht publiziert.

Es gab damals sicher etliche derartige Testberichte, welche neben der ausführlichen Steuerungsmöglichkeit des Programms vor allem die Planungssmöglichkeit vor Ort hevorgehoben hatten. Und so gab es sicher mehrere Pilotanwender, mindestens für mich als Pilotanwender mit dem Vorteil, dass ich alle weiteren Untis-(Voll-)Versionen kostenlos testen und an meiner Schule praktisch einsetzen durfte.

Der ursprüngliche IBM-PC musste noch ohne Festplatte auskommen; ein BASIC-Interpreter war fest vorhanden, aber Untis brauchte ein "richtiges" Betriebsystem und das musste man bedienen können. Erst ab IBM PC XT war eine Festplatte eingebaut.
Daher veröffentlichte ich 1985 die Handreichung Installation von PC-Untis unter MS-DOS 2.11 z.B. auf dem PC-10, die sehr schön zeigte, dass PCs damals eher für Computernerds gedacht waren.
Deren Titel zeigte aber auch, dass IBM bereits damals die Marktführerschaft eingebüßt hatte, denn der PC-10 stammte von Commodore, war also ein "PC-Klon", und den konnte ich mir auch privat leisten (den IBM-PC hatte ich schließlich ans Katzen-Stift zurückgeben müssen).

Hatte der PET 2001 einen Arbeitsspeicher von 8 KB und der CBM 8032 immerhin den vierfachen, so waren es beim IBM PC das nochmals zwanzigfache (640 KB), und das bei Prozessortaktraten von 1 MHz bis ca, 4 MHz.
Das klingt im Vergleich zu den 2020ern lächerlich klein, sind doch mittlerweile übliche Arbeitsspeicher auf das 50-tausendfache angewachsen und das beim tausendfachen Prozessortakt!

Durch die laufende Steigerung der Prozessorrechenleistung konnte GP immer mehr Programmdetails verwirklichen; die Programme wurden immer größer und brauchten immer mehr Rechenzeit. Aber die steigende Rechengeschwindigkeit kompensierte das so sehr, dass die effektive Rechenzeit pro Plan abnahm:
So dauerte an meiner Schule die automatische Berechnung eines Stundeplans mit dem IBM PC XT 1¼ Stunden, später mit dem IBM AT nur noch ¼ Stunde. Das war in den späten 80ern rekordverdächtig: Ich konnte in einer "Nachtschicht" den Gesamtplan finalisieren!
Dank der Weiterentwicklung der Untis-Algorithmen, werden heute in ¼ Stunde automatisch sogar Duzende bis Hunderte Pläne errechnet, also pro Plan wenige Sekunden, was uns auf unseren Untis-Schulungs­veranstaltungen zu der Aussage verleitete:
"Wenn Sie nach 5 Minuten noch keine brauchbaren Ergebnisse erzielen konnten, sind Ihre Eingabedaten unvollständig, zu ungenau oder gar widersprüchlich."


Der Untis-Algorithmus:
Guter Unterricht braucht einen guten Stundenplan -
Ein guter Stundenplan braucht ein gutes Programm

Die Marktführerschaft von Untis beruht auf der raffinierten Kombination der beiden von Bernhard Gruber "erfundenen" Algorithmen Setzoptimierung und Tauschoptimierung, die seit über 50 Jahren weiterentwickelt wurden und werden. Diese Algorithmen bilden den Kern der automatischen Stundenplanerstellung.
Der Trick dieser Algorithmen ist, immer vom komplizierten zum einfachen vorzugehen, also per interner Vordiagnose die komplizierteren Planungsschritte herauszufiltern und bei der Verarbeitung vorzureihen.

Die Algorithmen wurden sehr bald auch den Anwendern an die Hand gegeben, zuerst in Form der Stundenplandiagnose in Verbindung mit dem Planungsdialog. Die Anwender können somit auch händisch elegant setzen und tauschen, aber immer unter Kollisionskontrolle von Untis.

Und später wurden diese Algorithmen auch direkt für die Stundenplanfenster verfügbar gemacht (Planungsstundenplan). So können die Anwender sehr umfangreich in den Plan eingreifen, indem sie im (entstehenden) Plan jederzeit Enpässe händisch durch direktes Setzen und Tauschen (ggf. mit "Gewalt") beseitigen können und Untis jedesmal den "Rest" aufräumen lassen können.
Das war toll!

Und noch später kamen in allen Stundeplanfenstern die Tauschvorschäge und die Tauschketten hinzu (nun auch ohne "Gewalt"); alles unter PC-Kontrolle und logisch transparenter und einsichtiger als die alte Stecktafel.
Das war noch toller!

Doch da greife ich weit voraus.

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Bereits 1991 hatte ich In einer Schulungshandreichung Guter Unterricht braucht einen guten Stundenplan - Ein gutes Programm erleichtert einen guten Stundenplan in Abschnitt 7.2 aufgeführt, wie elegant auf einen automatisch zu erstellenden Plan vor, während und nach den Automatikläufen Einfluss genommen werden konnte (s.r.).

Im Text werden die schon damals vorhandenen Dienste
- Optimierung, %-Optimierung, Raumoptimierung,
- Planungsdialog, Plandiagnose, Planvergleich,
- Plandruck und Plananzeige dargestellt und abgehandelt.

Und im Text sind viele (bereits im PC-Untis von 1985 vorhandenen gewesene) Eingabefenster und Stundenplanausdrucke abgebildet.

Reizvoll war schon damals die Möglichkeit, die Planausdrucke so gestalten zu können, dass ich zwischen Ausdrucken für die Planerstellungsphase und Ausdrucken zur Veröffentlichung unterscheiden konnte.

Und beeindruckend war auch, wie übersichtlich Kopplungen damals schon verarbeitet und dargestellt werden konnten.
Gekoppeltet Unterricht: gleichzeitig ein Lehrer in mehreren Klassen oder mehrere Lehrer in einer Klasse oder mehrere Lehrer in mehreren Klassen.

In Abschnitt 7.3 ist auch heute vor allem der letzte Absatz gültig (s.r.).

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Und das war nur der Anfang der rasanten Algorithmusentwicklung in Untis, wie Heinz Petters in seiner Doku ab Seite 28 darstellt.
Hier nur einige Highlights (aus meiner Sicht und nach meiner Erinnerung):

• Von Anfang an:
Das Programm bricht nicht gleich "beleidigt" ab, weil der Anwender unlogische/widersprüchliche Eingaben abgeliefert hatte.
Das Programm ersetzt derartige Eingaben (wenn möglich) durch plausiblere Werte und rechnet einfach weiter.

• Später:
In einem Vordialog werden unmögliche/fehlerhafte Eingaben zur Verbesserung angemahnt.

Wird wiederholt mit den gleichen "Startdaten" gerechnet, können trotzdem unterschiedliche Ergebnisse entstehen, weil an geeigneten Weichenpunkten per gewichtetem Zufallsentscheid alternative Wege eingeschlagen werden können.
Das ist Voraussetzung für alle folgenden Neuerungen.

• Um 1990/91:
Schwellenwertalgorithmus: Auf der Suche nach Verbesserungen dürfen vorübergehend auch Verschlechterungen in Kauf genommen werden. Aber die Verschlechterungsschwelle nimmt im Verlauf der Optimierung laufend ab.

• 1994:
Selbstlernende Variantenoptimierung: Es werden solange weitere Pläne automatisch aus den Vorversionen errechnet, bis sich keine Verbesserung mehr ergibt. Dann kann händisch eingegriffen werden und ein weiterer Variantenlauf gestartet werden.

• 2008:
Genetische Optimierung: Stundenplanväter und -Mütter erzeugen nach bestimmten Regeln "Stundenplanbabys". Dabei spielt die Schönheit bzw. Attraktivität des Stundenplanes eine wesentliche Rolle (Zitat Petters).

…

• 2026:
Der aktuellen Untis-Dokumentation sind die Auflistungen der Untis-Module (s.l.) und der Optimierungsstrategien (s.r.) entnommen.

Die Optimierungsstrategien A - E gab es zwar schon weit vor 2008, aber Untis wäre nicht Untis, wenn das Team nicht unter der Haube laufend weitere Verbesserungen eingebaut hätte. Dabei ist die Strategie C überflüssig geworden.


Fazit

Stundenplanung ist ein diffiziles Geschäft, das viel Feingefühl erfordert. Sie besteht aus der Deputatsverwaltung, Kursstufenverwaltung, der eigentlichen Stundenplanerstellung und der eng damit verbundenen laufenden Tagesvertretungsplanung.
Und dann muss alles in der großen Schulstatistik und ggf. in mehreren Vertretungsstatistiken usw. dokumentiert werden.

Das bedingt zwangsläufig, dass immer mehrere Personen zum Planungsteam gehören müssen. Das Team muss aber gut miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten und aufeinander hören können.
Und nur dann kann man sich bei Ausfall/Krankheit idealerweise gegenseitig ersetzen/aushelfen.

Alle Aspekte des Stundenplanungsgeschäfts können komplett mit Untis bewältigt werden. Dafür bietet das Programm entsprechende Module (s.l.o.), Optimierungsstrategien (s.r.o.) und statistische Auswertungen.

Das Programm kann aber nicht zaubern, sondern extrem schnell und folgerichtig kombinieren.
- Illustre Deputats- und Stundenplanwünsche müssen immer unter dem Stundenplanvorbehalt gesehen werden, nie unter dem
  Programmvorbehalt!
- Und logische Argumente lassen sich nicht mit  Bauchgefühl  oder gar  par ordre du mufti  wegdiskutieren.

Ein einzelner Optimierungslauf dauert bei entsprechend gewählter Strategie mittlerweile zwar mehrere Minuten bis mehrere Stunden, dann werden dabei aber auch mehrere hundert bis tausend Pläne errechnet und bewertet, um den "besten" heraus zu filtern!

Das klappt um so besser und schneller, je genauer und zielführender man die Eingabedaten erstellt, vor allem aber, je kreativer man in der Lage ist, die unterschiedlichen Optimierungsstrategien zu kombinieren.

Je mehr Detailwissen über Verplanungstaktiken das Stundenplanerteam einbringen kann, desto befriedigender sind die Ergebnisse für die Kunden (Schüler, Eltern, Lehrkräfte) und auch fürs Team.
Ein schönes Beispiel ist der gewinnbringende Einsatz von Mehrwochen-Stundenplan und Perioden-Stundenplan.

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Untis ist also ein Spezialprogramm für die zentralen und sehr speziellen Aufgaben rund um die Stundenplanung. Und diese speziellen Aufgaben erfordern selbstverständlich spezielle (Vor-)Kenntnisse des Stundenplanungsteams.
Die speziellen Kenntnisse fallen aber nicht vom Himmel, sondern müssen erworben werden, vor allem von den Altmeistern, aber auch durch das aufmerksame Lesen/Verstehen/Beherzigen der einschlägigen Dokumentationen und Tipps.

Eine wesentliche Belastung fürs Team stellt die Bearbeitung des Tagesvertretungsplans dar, denn die muss täglich geleistet werden. Und das geht sehr rationell mit dem entsprechenden Untis-Modul. Dabei ist es sinnvoll, den Stundenplan periodenweise zu erstellen und so den Tagesvertretungsplan transparenter gestalten zu können. Dann können z.B. auch die Statistiken aussagekräftiger erstellt werden.

Untis führt über den Ressourcenverbrauch an der Schule so genau Buch, dass das Programm in Österreich verpflichtend zur Deputatsabrechnung/Lehrerbesoldung eingesetzt wird. Es kann also mit seinen Statistikfunktionen andernorts auch Programme wie LAV oder winLAV ersetzen/unterstützen.

Um geeignete Mitglieder fürs Planungsteam zu gewinnen, reicht es aber nicht, mit dem PC und dem Programm zu werben. Sondern es muss auch klar geregelt werden, wie die Mehrbelastung abgegolten wird. Und nicht jeder potentielle Anwärter hat wirklich Spaß an planvollem Vorgehen, Knobelei, Kombinatorik, PC-Beherrschung, usw.

Wer sich in die Stundenplanverarbeitung einarbeiten will, muss kurzfristig mit erheblichem zeitlichem Mehraufwand rechnen. Aber langfristig ist ein gewaltiger Zeitgewinn erzielbar, und das immer in der kritischen Zeit rund um den Schuljahreswechsel.
Das Ziel muss aber immer sein, dass der Stundenplan menschengemacht und durchdacht ist und nicht nur Maschinenergebnis ist.

Also im Zweifelsfall nie die Entschuldigung: "das hat die Maschine nicht besser hinbekommen",
sondern immer das Eingeständnis:               "das haben wir (noch) nicht besser hinbekommen".

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Dietrich Tilp  |  September 2026